Die Schattenseiten des Sonnenlichts

29. Mai 2005, 22:38
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Klein, gelb, heiß: Die Sonne ist derzeit genau so, wie sie sein soll. Wer jetzt bei 30 Grad bratet, kann sich beim Wettergott bedanken

Klein, gelb, heiß: Die Sonne ist derzeit genau so, wie sie sein soll. Mit dem Beginn der Sommersaison kommt aber auch die gefährliche Seite des Fixsterns wieder ins Bewusstsein.

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Wer sich jetzt bei 30 Grad und mehr in der Sonne braten lässt, kann sich beim Wettergott bedanken. Oder bei der Polarfront. Die hat sich nämlich bei ihrer routinemäßigen Wanderung zwischen Winter- und Sommerhalbjahr so weit nach Norden zurückgezogen, dass eine Hochdruckbrücke von den Azoren bis Österreich reichen kann - und damit Wetterbedingungen wie normalerweise im Juli schafft.

Bis Montag kann man sich im Großteil Österreichs bei strahlendem Sonnenschein noch Gedanken darüber machen, wie man den Sommer verbringt. Und darüber, wie man sich vor der Sonne schützt. Denn die negativen Effekte des Fixsterns werden auch in unseren Breiten immer mehr zum Thema.

Dass zu viel Strahlung nicht gesund ist und die Haut schädigt, ist mittlerweile recht gut bekannt - und ändert auch das Konsumverhalten. Zum Beispiel beim Kauf der Sonnencreme. War vor 20 Jahren das klebrige weiße Etwas mit unbekanntem Lichtschutzfaktor noch hauptsächlich beim Strandurlaub ein Utensil, ist es mittlerweile zum Standardartikel geworden.

Lichtschutz steigt

"In Apotheken bekommt man heute schon Sonnenschutzmittel bis hin zum Lichtschutzfaktor 60", schildert Constanze Werner, Pressesprecherin der Kosmetikfirma L'Oréal. "Insgesamt ist die Verwendung höherer Lichtschutzfaktoren in Österreich etwas hinaufgegangen. Wurde früher maximal ein Vierer oder Sechser genommen, ist es heute auf Acht oder Zehn gestiegen", berichtet Werner.

Und erinnert, dass diese Zahl nur angibt, wie viel UVB-Strahlung gefiltert wird. Die langwelligere UVA-Strahlung, die tiefer in die Haut eindringt, sie so schneller altern lässt und die Entstehung von Hautkrebs begünstigt, ist dagegen schwieriger zu messen. "Es gab im Vorjahr und heuer Versuche an der Uni Braunschweig, bei denen sich zeigte, dass viele Produkte keinen stabilen UVA-Filter haben. Besonders billigere Produkte haben dabei schlecht abgeschnitten", betont die Pressesprecherin.

Beim UVB-Schutz spielt der Preis dagegen offenbar eine geringere Rolle, zeigt der Test in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Konsument. Dort schnitt das preiswerteste Produkt, die "Sundance"-Eigenmarke des Drogeriemarktes dm am besten ab, gleichzeitig wurde eines der teuersten Produkte, die "Sun Protection Lotion" von Shiseido von den Konsument-Testern wegen Unterschreitung des angegebenen Lichtschutzfaktors mit "nicht zufrieden stellend" bewertet.

Muscheln gegen Sonne

Immer häufiger wird das Licht im Bad oder am Strand aber gleich gar nicht an die Haut von Großen und Kleinen gelassen. Das Mittel dagegen sind die so genannten Strandmuscheln. Diese wie halbe Zelte aussehenden Gebilde spenden immer öfter Schatten. Gewichtsmäßig relativ leicht und rasch aufgebaut, ist es auch der Preis zwischen 15 und 30 Euro, der sie populär gemacht hat. "Derzeit haben wir einen leichten Absatzanstieg gegenüber dem Vorjahr, mit dem richtigen Beginn der Badesaison könnte es aber noch mehr werden", meint Matthias Sandtner von Intersport.

Dass die Bewusstseinsbildung rund um das Thema Hautkrebs Früchte trägt, zeigte sich auch beim Weltkongress für Hautkrebs vor zwei Wochen in Wien. Hubert Pehamberger, Leiter der Wiener Uniklinik für Dermatologie, berichtete, dass Melanompatienten immer früher zum Arzt kommen. War ein Melanom 1975 bei der Erstdiagnose noch durchschnittlich 1,5 Millimeter dick, liegt dieser Wert heute bei 0,8 Millimeter - die Heilungschancen der jährlich bis zu 1500 neu Erkrankten in Österreich steigt dadurch deutlich an.

Neben Sonnenbrand und Tumoren führen die beliebten Sonnenstrahlen noch zu einer unangenehmen Erscheinung: dem bodennahen Ozon. Durch die UV-Strahlung auf das in verschmutzter Luft entstehende Stickstoffdioxid wird ein Sauerstoffmolekül abgespalten, das sich mit dem normalen Sauerstoff zu Ozon verbindet - und für tränende Augen und Atembeschwerden sorgt. In Nordostösterreich war es heuer am 1. Mai erstmals soweit, dass die "Informationsschwelle" für Ozon überschritten worden ist.

Gutes Wasser

Angesichts des Frühsommers gibt es aber auch bessere Nachrichten. Wie beispielsweise die Qualität der heimischen Gewässer. Beim jährlichen Test der EU wurden, wie berichtet, im Sommer 2004 insgesamt 267 Badeplätze in Österreich untersucht. Das nun veröffentlichte Ergebnis: Das Wasser ist weiter besser geworden.

Die Grenzwerte für Verschmutzung (beispielsweise durch Koli-Bakterien und Mineralöl) wurden bei 98,9 Prozent der Proben unterschritten, die strengeren, aber nicht verpflichtenden, Richtwerte immerhin noch von 83,1 Prozent. Was die 46 Prozent der Österreicher, die laut aktueller Umfrage der Notfallorganisation Europ Assistance heuer nicht auf Sommerurlaub fahren werden, freuen wird.

Stellt sich nur noch die Frage, wie oft man in den nächsten Monaten an den Badesee fahren kann. "Es gibt Kollegen, die aufgrund der derzeitigen Druckunterschiede zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch davon ausgehen, dass der Juni heuer durchschnittlich wird, der Juli eher kühler und der August eher schöner", meint Otto Svabik, Klimatologe an der Hohen Warte in Wien. Er selbst steht dieser Art von Prognose eher skeptisch gegenüber: "Jede Vorhersage, die über fünf Tage hinausgeht, ist nicht mehr statistisch gesichert." Bleibt immer noch die Hoffnung auf den Wettergott - oder die Polarfront. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 28/29.5.2005)

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    Klimatologen gehen aufgrund der derzeitigen Druckunterschiede zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch davon aus, dass der Juni heuer durchschnittlich wird, der Juli eher kühler und der August eher schöner

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