Erste Frau an Börsenspitze

27. Mai 2005, 20:25
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Barbara Wösner ist seit Dienstag Vorstandsmitglied der Budapester Börse

"Mit Spaß ist das Ergebnis ungleich besser", sagt Barbara Wösner über ihre Arbeit und über ihren Ausbildungsweg. Und: "Reger Austausch mit Menschen aus anderen Branchen bringt die besten Ideen." Besonders deutlich sei ihr das im Zuge des Executive MBA an der Imadec geworden und dann beim Insead-International Executive-Program. "Es geht ja vor allem bei interkulturellen Themen um das Interesse, den Respekt, die Toleranz", und "ohne persönliche Vernetzung hätte der Ungarn-Deal auch nicht funktioniert", bezieht sie sich auf den ersten großen Schritt der Wiener Börse auf dem Weg zu einer Zentraleuropabörse, die Übernahme der Budapester Börse im Vorjahr.

Ob Wien tatsächlich mitteleuropäisches Börsenzentrum werden kann und wie sich ein Verbund der Börsen zwischen Warschau und Ljubljana ordnen wird, ist noch im Fluss - mit ihren rund 25 Mitarbeitern ist Wösners Abteilung in Wien, zu der die "Stabstelle internationale Allianzen" gehört, jedenfalls die Speerspitze und das Verhandlungszentrum mit den Kollegen in Osteuropa.

"Reiner Zufall" sei ihre Karriere natürlich nicht gewesen, sagt die 31-Jährige aus einer Schärdinger Unternehmerfamilie, die zuerst für Raiffeisenbanker Ludwig Scharinger, dann für Ogilvy & Mather in Wien arbeitete, bevor sie das Marketing der Wiener Börse übernahm: "Meine Einstellung war immer eine extrem unternehmerische." Die Kunst dabei: "Zwischendurch auch wirklich privat zu sein." Ob es für Frauen, gerade in der männerdominierten Finanzwelt, spezifisch schwierig sei? "Nein, ich glaube, das ist eine Frage der Persönlichkeit."

Pilates und Klavierspielen seien ihre Rückzugsfelder, sagt Wösner und: "Ich klebe nicht an meinen Funktionen, mir macht die Arbeit Spaß." Kinder und Familie stehen allerdings für sie auf der künftigen Wunschliste.

Dass Vereinbarkeit eine Herausforderung ist, sehe sie im Management ihrer Mitarbeiter und den vielen Teilzeitregelungen. Wösner: "Ich sehe aber auch bei uns in der Börse Vorbilder, die zeigen, dass es machbar ist - solche Vorbilder sind mir wichtig." Diese Haltung sei auch für sie ein Imperativ. (Karin Bauer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.5./29.5. 2005)

  • Barbara Wösner ist eine der treibenden Kräften auf dem Weg der Wiener Börse in eine integrierte Osteuropabörse.
    foto: der standard/regine hendrich
    Barbara Wösner ist eine der treibenden Kräften auf dem Weg der Wiener Börse in eine integrierte Osteuropabörse.
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