"Garden State": Gesundung in der Vorstadt

27. Mai 2005, 20:10
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Zach Braff inszeniert sich in "Garden State" als apathischen Träumer

Wien - Ein Flugzeug gerät in arge Turbulenzen, Panik bricht aus. Nur ein Passagier bleibt ungerührt, stülpt sich, fast mechanisch, das Sauerstoffgerät um den Mund. Er heißt Andrew "Large" Largeman - Twentysomething, mäßig erfolgreicher Schauspieler und Kellner in L.A.. Nichts bringt ihn aus der Ruhe. Das ist, anders als man glauben könnte, sein Problem. An "Large" fliegt nämlich das Leben vorbei.

"Large" wird mit entsprechend melancholischer Apathie von Zach Braff verkörpert, den man, ähnlich zerstreut, aus der TV-Serie Scrubs kennt, in der er die Figur des Dr. John "J. D." Dorian verkörpert. Für Garden State stand er nun auch erstmals selbst hinter der Kamera. Was dem Film zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen soll: Ein TV-Star habe sich selbstständig gemacht, um ein subjektives Generationenporträt anzufertigen, heißt es. Die euphorische US-Kritik stellte prompt (wieder) Vergleiche zu The Graduate/ Die Reifeprüfung an, Die Zeit sieht in "Large" gar das filmische Pendant zum Pop-Barden Adam Green.

Garden State ist aber weniger ein persönliches Produkt denn eine recht kalkulierte Miramax-Produktion, die sich verschiedener Versatzstücke des (mittlerweile kaum mehr auffindbaren) US-Indie-Films bedient. Zu Folkballaden à la Nick Drake wird die Geschichte einer Menschwerdung erzählt: "Large" kehrt nach New Jersey zurück, weil seine Mutter Selbstmord verübt hat. Ist er einst übereilt aufgebrochen, gelingt es ihm nunmehr, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen.

Zach Braff findet im ersten Teil seines Film eine gelungene Balance zwischen einer Komik, die sich exzentrischer Details der Figuren verdankt, und einer Schwermut, die aus der Zeitlosigkeit dieses Ortes resultiert. Die alten Kumpels sind jetzt Totengräber oder mit Erfindungen wie einem geräuschlosen Reißverschluss zu schnellem Reichtum gekommen, aber sie haben sich ihre Orientierungslosigkeit bewahrt. Und "Larges" Vater (Ian Holm) ist immer noch ein Psychiater, dem kein Gespräch mit dem Sohn gelingt. Stets hat er mehr auf Medikamente denn auf Worte gesetzt. So erklärt sich übrigens "Larges" Apathie.

Die romantische Wende kommt in Garden State mit dem Mädchen Sam (Natalie Portman), die sich in der monotonen Vorstadt wie eine Orchidee ausmacht. Sie bringt den therapeutischen Zug ins Rollen, indem sie beispielsweise mit bezwingender Natürlichkeit Hamster beerdigt. An ihrer Seite kann "Large" denn auch sukzessive wieder zu einem empfindsamen Wesen genesen, das sich auch den eigenen Traumata stellt.

Die Bilder, die Braff für diesen Wandel findet, werden allerdings zunehmend berechneter und flacher: Am Ende beschwört der Film eine Metaphorik des Wassers herauf - er lässt seine Figuren im Regen jauchzen und verklärt die neu gefundene Einheit mit einem Arche-Motiv zum biblischen Symbol: eine äußerst sanfte Landung für einen absturzgefährdeten Helden.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28./29.5.2005)

  • Zurück im Leben: Zach Braff und Natalie Portman therapieren sich in "Garden State" durch Liebe.
    foto: buena vista

    Zurück im Leben: Zach Braff und Natalie Portman therapieren sich in "Garden State" durch Liebe.

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