Europas Hilfe gegen Transit gefordert

30. Mai 2005, 13:51
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Die Inntalfurche ist bereits Luft-Sanierungsgebiet - Tausende Kinder leiden schon an Transitfolgen - mit Grafik

An drei Orten fanden am Freitag Blockaden gegen die Transitlawine statt: im Inntal, wo angesichts der bereits eingetretenen Schäden "Nachsorgepolitik" gefordert wird, in Salzburg und im Burgenland. Im Poysdorf indes demonstrierten die Autobahnfreunde.

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Wien - "Hier im Inntal geht es nur mehr um Nachsorgepolitik", erläutert Fritz Gurgiser neben den Blockade-Biertischen auf der Autobahn. Er meint rückwirkende Verbesserungen für eine unhaltbare Situation an: "Die Inntalfurche bis Imst ist Luftsanierungsgebiet, Tausende Kinder leiden an den Folgen. Wir fordern europäische Solidarität mit den Bewohnern", verkündete der Obmann des Transitforums Austria/Tirol bei der 8. Bürgerversammlung gegen Transit bei Vomp auf der A 12.

Solidarität, wie sie sich etwa durch Zustimmung des Europäischen Gerichtshofes zu den Sektoralen Fahrverboten in Österreich äußern könnte. Ein derartiger Bescheid, so Gurgiser, wäre auch einer "Vorsorgepolitik" an Orten dienlich, die von der Transitflut noch nicht ganz so betroffen seien.

Zum Beispiel an der Tauernautobahn (A 10) in Salzburg. Dort machte die Transitgruppe Zederhaus am Freitag die Betonpiste zwei Stunden lang unpassierbar. So wie im Burgenland, am Grenzübergang Heiligenkreuz in Richtung Ungarn, wo die Aktionsgemeinschaft gegen die geplante Schnellstraße S7 am gleichen Nachmittag eine vierstündige Protestversammlung abhielt: Volksbefragungen in drei Anrainerorten haben ein klares Nein zu den Straßenbauplänen ergeben.

Rund 3000 Teilnehmer waren zum Tiroler Blockadeauftakt auf der A 12 gekommen. Vertreter von Nord- und Südtiroler Bürgerinitiativen und katholischen Gruppen bevölkerten neben Skatern, Radfahrern und vielen Familien mit Kindern die für zwölf Stunden autofreie Inntalautobahn. Zwei alte Frauen aus einer Anrainergemeinde hatten sich von ihren Töchtern gar im Rollstuhl zum Protestort schieben lassen.

Prävention

Sie alle lauschten den Worten etwa des Innsbrucker Transplantationsmediziners Raimund Margreiter, die ins gleiche Horn wie Gurgiser blies: "Ich betreibe Reparaturmedizin in Reinkultur, Ziel jeder Gesundheitspolitik jedoch muss die Vorsorge und das Verhindern von Krankheiten sein", schlug der Mediziner einen Bogen von der Verkehrs-zur Präventionspolitik.

Staus auf Ausweichrouten

Am Abend dann spielte die moderne Volksmusikgruppe Bluatschink auf: Kein Trost für jene vielen Autolenker, die auf den Ausweichrouten in Staus standen, die sich schon in den frühen Nachmittagsstunden gebildet hatten. Die Lkw-Lenker hatten es besser getroffen: 24 Sonderzüge der Rollenden Landstraße im 75-Minutentakt über den Brenner verhinderten längere Wartezeiten. Auch für normale Bahnkunden gab es ein Blockadeangebot der ÖBB: um nur drei Euro von Innsbruck aus über den Brenner.

Werbung für diese Aktion hatten in den frühen Vormittagsstunden Verkehrsminister Hubert Gorbach (BZÖ) und Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa (ÖVP) betrieben. Am Innsbrucker Hauptbahnhof überreichten sie Fahrgästen belegte Brote und Getränke. Für die Transitblockaden zeigten sie Verständnis - wenn sie eine persönliche Teilnahme auch dezidiert ausschlossen.

In den ersten vier Monaten des heurigen Jahres habe der Lkw-Verkehr am Brenner weiter zugenommen, sagte Gorbach bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Van Staa. Seit 1990 habe sich der Schwerverkehr dort fast verdoppelt, ergänzte Stunden später der Verkehrsclub Österreich in einer Aussendung.

Doch nicht allen im Land stand an diesem Tag der Sinn nach weniger Straße für weniger Verkehr. Im niederösterreichischen Poysdorf an der tschechischen Grenze versammelten sich um 14 Uhr Gemeindebürger auf der Brünner Bundesstraße (B 7), um vehement für den Bau der Nordautobahn (A 5) einzutreten.

Pro Autobahn

Die hochrangige Straße soll Wien und Brno miteinander verbinden - doch es kursieren Gerüchte, dass ein Ausbau nur zwischen Wien und Mistelbach geplant sein soll. Freitagnachmittag hingegen konnte der Poysdorfer Bürgermeister Franz Wilfling Entwarnung geben: "Sowohl die heimischen als auch die tschechischen Umweltverträglichkeitsprüfungen wurden für die gesamte Strecke eingereicht." (Irene Brickner, Benedikt Sauer, DER STANDARD Printausgabe 28/29.5.2005)

  • Autobahnabschnitte mit stärkstem Lkw-Aufkommen + Blockaden
    grafik: standard

    Autobahnabschnitte mit stärkstem Lkw-Aufkommen + Blockaden

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