Der Lindwurm soll lächeln

29. Mai 2005, 22:41
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Sensibles Wesen das Jungfrauen verspeiste - Künstlergruppe soll für besseres Image für den Klagenfurter Drachen sorgen

Glücksdrache statt Monster: Der Klagenfurter Lindwurm soll ein neues, besseres Image erhalten. Eine Künstlergruppe nimmt sich seiner an.

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Klagenfurt – Drachen haben nichts zu lachen. Vor allem in der Kärntner Landeshauptstadt. Dort wird das wasserspeiende Klagenfurter Wappentier von Herkules erschlagen. Angeblich, weil das vor den Toren der Stadt hausende Ungetüm Jungfrauen zu verspeisen beliebte. Dass sie dabei aber sensible Wesen sind, wusste schon Kinderbuchautor Franz Sales Sklenitzka, dessen Ritter Ottokar von Zipp, allerorts bedrohte Drachen vor dem Tode bewahrt.

Drachen aber sind durchaus liebenswerte Wesen, Glücksbringer und in anderen Kulturen hoch geachtet. In unseren Breiten dagegen haben meist nur die Kinder Sensorien für die zutiefst verachtete und verfolgte Spezies. Wie für‑ Grisu, zum Beispiel das kleine Kuschelmonster, das zum Leidwesen der Feuer speienden Drachenzunft nichts lieber auf der Welt wäre als Feuerwehrmann.

In Kärnten nun hat sich eine Gruppe beherzter Menschen gefunden, die den Drachen ihre längst fällige Anerkennung zurückgeben will. Die "Transformation des Klagenfurter Lindwurms" nennt sich ein "Kunstprojekt im freien Raum" mit dem Ziel den bösen Drachen in einen "Glücksdrachen" zu verwandeln. Das soll in einer Art Gesamtkunstwerk aus Aktionismus, Film, Musik, Literatur von statten gehen. Das Konzept, das im Rahmen der lokalen Agenda in Krumpendorf entstand, stammt von Irmgard Neuner- Fortelli. Die Künstlerin Anna Rubin und die Theaterplastikerin Kirstin Sauer übernehmen den aktionistischen Part: fliegende Drachen, die aus den vier Himmelsrichtungen auf den Klagenfurter Lindwurm zufliegen und ein Drachenboot, das seine Passagiere zu den Kraftorten rund um den Wörthersee bringen soll. All das soll auch in einem Film festgehalten werden.

"Wir wollen die wahren Drachenqualitäten aus der Umklammerung des Luziferischen herausarbeiten", erläutert Neuner-Fortelli. Dabei gehe es "nicht um ein spektakuläres Event, sondern um Bewusstseinsarbeit und um Versöhnung mit den Schattenaspekten Kärntens". Später wol 4. Spalte le man auch andere "Drachenstädte" wie Laibach oder Krakau in das Projekt einbinden und auch an London ist gedacht, wo die Erinnerung an den Pendragon, das Wappentier des sagenhaften Königs Uther und seines Sohnes Artus im Drachen Griffith weiterlebt. (stein, DER STANDARD Printausgabe 28/29.5.2005)

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