Siegfried Kampl: "Meine Entscheidung"

29. Mai 2005, 10:06
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Kampl will bis 31. Mai entscheiden, ob er sein Bundesrats-Mandat zurücklegt

Kampl will bis 31. Mai entscheiden, ob er sein Mandat im Bundesrat zurücklegt und ob er vielleicht auch oder stattdessen aus dem BZÖ austritt. Derzeit sei er BZÖ-Mitglied. Was in Zukunft sein werde, "das weiß ich nicht".

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Klagenfurt - Siegfried Kampl will es sich noch genau überlegen. In einem Telefonat mit dem Standard meinte er: "Ich habe meiner Partei mitgeteilt, dass ich meine Entscheidung, ob ich meinen Rücktritt revidiere, bis 31. Mai fällen werde. Bis dahin werde ich viele Gespräche mit Freunden führen und alle Argumente in meine Entscheidung einfließen lassen."

Immer wieder kämen Leute zu ihm, die ihm Rückhalt böten. "Auch Leute aus der FPÖ sind drunter", sagt Kampl: "Aber das beeinflusst mich nicht. Ich werde meine Entscheidung alleine treffen."

Auch das Drängen der BZÖ- Spitze, allem voran Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider und der Kärntner Chef der Orangen Martin Strutz, lässt Siegfried Kampl vorerst kalt.

Mit dem BZÖ hat er ohnehin seine Probleme, seit Haider ihn nach seinem Sager von den Deserteuren, die "Kameradenmörder" seien, fallen ließ und seinen Rücktritt vom Bundesratsmandat forderte. Kampl bestätigt auch, den Orangen einen persönlichen Brief geschrieben zu haben.

Nun geht das Gerücht, Kampl habe darin seinen Austritt aus dem BZÖ bekannt gegeben. Kampl selbst wollte darauf nicht eingehen, nur soviel: "Ich bin Mitglied des BZÖ aber was in Zukunft sein wird, das weiß ich nicht." Aus dem BZÖ war am Freitag zu hören, Kampl habe seinen Austritt bereits bekannt gegeben, eine offizielle Bestätigung wollte freilich niemand geben.

Parteichef Martin Strutz: "Über den privaten Schriftverkehr des Herrn Siegfried Kampl möchte ich in der Öffentlichkeit nicht kommunizieren. Faktum ist, dass wir vereinbart haben, dass er sein Bundesratsmandat zurücklegt." Diese Zusage habe man schriftlich. Der Kärntner Klubchef der Orangen, Kurt Scheuch, appelliert an den "Ehrenmann" Kampl: "Er hat sein Ehrenwort gegeben." Scheuch glaubt nicht, dass Kampl "sich einen Rücktritt vom Rücktritt leisten kann".

In der FPÖ sieht man das verzweifelte BZÖ-Bemühen um Kampls Rücktritt mit Schadenfreude und offener Rückendeckung für Kampls Position. FPÖ-Generalsekretär Karl-Heinz Klement: "Kampls Aussagen sind differenziert zu sehen. Wir hätten keinen Druck auf ihn ausgeübt, zurückzutreten." Es sei nicht verwunderlich, dass Kampl gekränkt sei: "Er hat Haider immer verteidigt", aber dass der jetzt "seine Schergen losschickt", sei "ein Tiefschlag für ihn". In der FPÖ jedenfalls sei ein "Zeitfenster für alle offen, die wahre freiheitliche Werte vertreten".

Der Vorsitzende der SPÖ Bundesratsfraktion Albrecht Konecny betonte, nicht der Bundesrat, sondern Haider sei für Kampl verantwortlich. "Notfalls" müsse der Bundesrat "einen Präsidenten Kampl unter Quarantäne stellen". (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.5.2005)

Von Elisabeth Steiner
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