Rapid in akuter Spielernot

31. Mai 2005, 21:20
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Hickersberger trotz Meisterehrung sauer - Derby gegen Grätscher vom Verteilerkreis verloren und jede Menge personelle Sorgen

Wien - Richtige Feierstimmung wollte bei Rapid-Trainer Josef Hickersberger nach der Meisterehrung im Happel-Stadion am Donnerstag nicht aufkommen. Zum einen, weil die Austria mit ihrem 1:0-Derbysieg in die Rolle des Partyschrecks schlüpfte, zum anderen, weil Axel Lawaree nach einer brutalen Attacke von Austria-Goalie Joey Didulica einen Nasenbeinbruch erlitt, wodurch die Verletztenliste noch länger wurde.

Das Team schrumpft

Im letzten Liga-Spiel am Sonntag beim GAK fehlen neben Lawaree noch die verletzten Valachovic, Garics, Katzer und Martin Hiden, außerdem ist Peter Hlinka gesperrt und der Einsatz von Tomas Dosek äußerst fraglich. "Ich kann mich nicht richtig freuen, wenn die Spieler der Reihe nach verletzt ausfallen. Die Zahl meiner Kicker kann ich an zwei Händen abzählen", meinte Hickersberger.

Glücksritter

Ein Trost blieb freilich. "Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Glück gehabt. Wenn diese Ausfälle zwei, drei Wochen früher kommen, gewinnen wir kein Spiel mehr, dann werden wir mit Anstand Dritter", meinte Hickersberger, für den Rapid - was den Kader betrifft - "in der Breite nicht optimal besetzt" ist.

Sektdusche für Frank

Während der frühere ÖFB-Teamchef mit nachdenklicher Miene bei der Pressekonferenz saß, feierten die Rapid-Anhänger noch immer den 31. Meistertitel der Hütteldorfer. Mehrere tausend Fans von den über 47.000 Zuschauern (bester Derby-Besuch seit Herbst 1961/damals 64.000 im Prater-Stadion) waren nach Schlusspfiff auf den Rasen geströmt und hatten die Meisterteller-Übergabe des (ausgepfiffenen und danach von einer Sekt-Dusche völlig durchnässten) Bundesliga-Präsidenten Frank Stronach bejubelt.

"Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn die Leute unsere Arbeit würdigen, aber ich weiß auch, wie es andersrum läuft", sagte Hickersberger und erinnerte sich an die erfolgreiche Qualifikation für die WM 1990 und das Färöer-Debakel wenige Monate später.

Auch die Niederlage gegen die Austria lag "Hicke" noch schwer im Magen, obwohl er mit der Leistung seiner Mannschaft nicht unzufrieden war. "Ein Derby zu verlieren ist nie angenehm, es lässt sich aber leichter ertragen, wenn man schon als Meister feststeht. Wir waren die bessere Mannschaft mit den besseren Chancen, aber wenn man gegen die Austria in Rückstand gerät, wird es schwierig."

Vertauschte Rollen

Dabei wären Möglichkeiten für den ersten Sieg gegen den Erzrivalen nach 15 Partien durchaus vorhanden gewesen. "Wir haben wie eine gute Austria gespielt und die Austria wie Rapid vor etlichen Jahren. Die Austrianer sind brav gegrätscht und in die Zweikämpfe gegangen", analysierte Hickersberger.

Austria im Cupfinale Favorit

Schon am kommenden Mittwoch bietet sich Rapid im Cup-Finale (bis Freitagvormittag über 16.000 Karten verkauft) gegen die Austria die Möglichkeit zur Revanche. "Aber Favorit ist die Austria. Für uns wird es schwierig, elf Mann zu finden, da heißt's Freiwillige vor", erklärte Hickersberger, der neben den zahlreichen Verletzten außerdem auf den im Cup nicht einsatzberechtigten Roman Kienast und Hlinka (beim slowakischen Team) verzichten muss.

Hoffen auf Lothar

Auch der Ungar György Korsos erhielt eine Einberufung für das Freundschaftsspiel gegen Frankreich, in diesem Fall hoffen die Hütteldorfer aber noch auf ein Entgegenkommen von Nationaltrainer und Ex-Rapid-Teamchef Lothar Matthäus.

Autos, Wein und Golfvergnügen

Angesichts der vielen Ausfälle für das Cup-Finale und davor für die GAK-Partie kam Hickersberger wieder auf die Automobil-Branche und seinen Vergleich vom grünen VW-Golf und violetten Rolls Royce zu sprechen. "Wir haben aufgerüstet und sind vom Golf auf einen Passat umgestiegen. Leider sind uns ein paar Räder abhanden gekommen, das macht aber nichts, weil wir schon hinter der Ziellinie sind", meinte der Coach, der übrigens von Stronach zu einer Flasche Wein und einer Runde Golf eingeladen wurde. "Das werde ich sicher in Anspruch nehmen", kündigte "Hicke" an. (APA/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Grauenhaftes Foul von Austria-Magna-Tormann Joey Didulica gegen Rapids Axel Lawaree. Der Austrianer sah dafür die rote Karte. Elfer gab's keinen, weil der Schiedsrichter zuvor schon wegen eines kleinen Remplers des Rapid-Stürmers abgepfiffen hatte.

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