Rauchen durchlöchert Zellwände

30. Mai 2005, 14:04
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Innsbrucker Forscher: Reaktionsfreudige Sauerstoffverbindungen und Metalle führen zur Oxidation von Eiweißstoffen

Innsbruck - Den bisher unbekannten Zusammenhängen zwischen dem Rauchen und Schäden an Blutgefäßen sind Forscher an der Medizinischen Universität Innsbruck nachgegangen. Die Forschungen ergaben, dass Inhaltsstoffe des Zigarettenrauches die Zellwände durchlöchern. Das kann zur gefürchteten Arteriosklerose führen, erklärte der experimentelle Pathophysiologe und Immunologe David Bernhard vom Biozentrum Innsbruck.

Reaktionsfreudige Sauerstoffverbindungen und Metalle würden im bisher unbekannten Zusammenspiel dazu führen, dass Eiweißstoffe verändert werden. "Die zellularen Eiweißstoffe oxidieren", sagte Bernhard. Dadurch entstehe so genannter oxidativer Stress, der die Zellen zerstöre.

Durchlässigkeit erhöht sich

Die Forschungsergebnisse, die in Kürze in der Zeitschrift der "Federation of American Societies for Experimental Biology" (FASEB) veröffentlicht werden sollen, zeigten, dass die Ausprägung von Zelloberflächenmolekülen, die für das Anheften von Endothelzellen an der Innenwand der Gefäße verantwortlich sind, herabgesetzt werde. Das führe zur Ablösung von der Gefäßinnenfläche, sagte Bernhard. "Dies wiederum hat zur Folge, dass das gesamte Endothel durchlässiger wird", erläuterte er.

Dadurch könnten verschiedenste Stoffe leichter in die Innenwand der Blutgefäße eindringen. An diesen nun "nackten Arealen" der Blutgefäßwand lagern sich dann Blutgerinnsel an. "Dies bringt dann den bekannten Teufelskreis bei der Entstehung der Arteriosklerose in Schwung: Entzündung, Fetteinlagerung, Gefäßwandverdickung und -verhärtung bis hin zur Bildung der teilweise sogar verkalkenden fortgeschrittenen Arterioskleroseherde mit den Komplikationen Herzinfarkt, Schlaganfall und Verschluss peripherer Gefäße", erklärte der Wissenschafter.

Zusammenspiel der Risikofaktoren

Wer einer Arteriosklerose entgehen will, sollte mit dem Rauchen aufhören. Risikofaktoren sind laut dem Wissenschafter weiters ein zu hoher Cholesterin-Spiegel und hoher Blutdruck. Auch männliches Geschlecht und Alter spielen eine Rolle.

Die Untersuchung wurde an menschlichen Gewebestücken durchgeführt. An den Forschungen war eine Arbeitsgruppe für Gefäßbiologie um David Bernhard beteiligt. Der Experte möchte jetzt auch untersuchen, wie Lipid-Senker Raucher-Schäden reduzieren können.(APA)

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