Vergleich: HVB und UniCredito in Osteuropa

27. Mai 2005, 18:42
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Bei Zusammenschluss würden die Häuser in Polen, Bulgarien und Kroatien Nummer eins - In Osteuropa-Region gemeinsam doppelt so groß wie der Branchenzweite

Wien - Würde der italienische Bankenriese UniCredito tatsächlich die deutsche Bank Austria Creditanstalt-Mutter HypoVereinsbank (HVB) übernehmen, und käme es in dem Fall zu einer "Ostfusion" der Bank-Aktivitäten von UniCredito und Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), so entstünde mit einem Schlag die unangefochtene Nummer eins in Osteuropa - doppelt so groß wie die Nummer zwei.

Wie die BA-CA ist auch UniCredito in Zentral-Osteuropa und Südosteuropa stark vertreten. Und auch bei neuen Akquisitionsvorhaben ist UniCredito als großer Konkurrent der Österreicher praktisch in jedem Bieterrennen mit dabei. Vor fünf Jahren hatten die Italiener schon ein begehrliches Auge auf die Bank Austria selbst geworfen.

Seitdem die HVB in der Moskauer IMB auf die Mehrheit aufgestockt hat, ist die HVB-Group mit 35,5 Mrd. Euro Bilanzvolumen in der Region schon auf Rang eins. Davon entfallen freilich 32,2 Mrd. Euro auf die BA-CA in Osteuropa, die für die HVB in insgesamt elf Ländern aktiv ist.

Nach Erste Bank und belgischer KBC-Gruppe stand die italienische UniCredito-Gruppe mit ihren Ostbanken-Beteiligungen unter den CEE-Top-Bankengruppen Ende 2004 noch auf Rang vier.

Großer Sprung nach ganz oben

In Polen, Bulgarien oder Kroatien würden BA-CA und UniCredito unmittelbar Nummer eins, auch in den meisten anderen Märkten gäbe es einen Sprung nach oben. Und im CEE-Gesamtranking der größten Bankkonzerne wäre eine solche Allianz mit einem Bilanzvolumen von 66 Mrd. Euro (per Ende 2004) gleich doppelt so groß wie die Nummer zwei. Und die Bank Austrianer hegen offenbar keine Sorge, dass ein erweitertes Ostgeschäft nicht über Wien laufen könnte. Die Ost-Kompetenz der BA-CA innerhalb der HVB regelt der Bank-der-Regionen-Vertrag.

Nach Angaben von Analysten müsste sich die Gruppe, würde sie handelseins, in Polen wohl einem Wettbewerbsverfahren stellen. In der BA-CA war solches aber bereits vor Wochen vorweg in Abrede gestellt worden. Wettbewerbsprobleme würden erst bei 30 Prozent beginnen, heißt es hier.

In folgenden Ländern in CEE und Südosteuropa sind sowohl UniCredito als auch BA-CA vertreten:

Polen: Hier hat der UniCerdito die Mehrheit an der "Bank Pekao", die Nummer zwei im Markt mit 13,6 Prozent Marktanteil. Die Bank Austria Creditanstalt hat hier mit der großen Tochter "BPH" zehn Prozent Marktanteil und belegt Platz drei des örtlichen Bankmarkts.

Kroatien: Mit der "Zagrebacka banka" ist UniCredito schon heute Nummer eins, der Marktanteil wird mit 27,5 Prozent beziffert. Die BA-CA belegt in Kroatien mit der "HVB Splitska Banka" (Marktanteil: 9,3 Prozent) den 5. Platz.

Bulgarien: Die UniCredito-Tochter "Bulbank" ist hier Marktführer, der örtliche Marktanteil liegt bei 16,4 Prozent. Die "HVB Bank Biochim" der Bank Austria belegt mit rund 10 Prozent Marktanteil den 3. Platz.

Slowakei: In diesem Land liegt UniCredito mit der "UniBanka" (Rang 6, knapp 4 Prozent Marktanteil) hinter der BA-CA, die beim Marktanteil 5 Prozent hält und Nummer 5 im Markt ist.

Rumänien: Hier ist UniCredito mit der Tochterbank "UniCredit Romania" erst weniger stark vertreten, der Marktanteil liegt hier nur bei 1,2 Prozent. Die BA-CA hat in dem Land vorige Woche eine Fusions-Vorvereinbarung mit Ion Tiriac unterschrieben. Die "HVB Romania" und "Banca Tiriac" kommen dann auf 7,5 Prozent Marktanteil, was die neue Nummer vier am Markt bedeutet.

Um weitere Zukäufe in Rumänien, wo heuer die zwei Großbanken BCR und CEC privatisiert werden, bemühen sich aktuell sowohl die BA-CA als auch UniCredito. Ein Zuschlag erlaubte es dem Sieger, in dem Mark einen großen Satz nach vorn zu machen.

Tschechien: Hier liegen die Italiener mit der "Zivnostenska Banka" bei 2,3 Prozent Marktanteil auf Rang 8 und damit klar hinter der BA-CA, die mit 5,2 Prozent auf Platz vier liegen.

Keine Doppel-Präsenzen gibt es in der Türkei, wo die Italiener Bankaktivitäten erworben haben. Und in Ungarn, Serbien, Slowenien und Bosnien ist die Bank Austria Creditanstalt mit Tochterbanken vertreten, nicht aber die Italiener. In Ungarn war überhaupt Start der Ostexpansion der Österreicher gewesen.

Im folgenden die Top-5-Banken in CEE, Bilanzsumme 2004, Mrd. Euro:

1. HVB-Group   35,5 (BA-CA: 32,2; HVB: 3,3)
2. Erste Bank  33,3
3. KBC         31,1
4. UniCredito  30,1
5. Raiffeisen  28,9
(APA)
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    Infografik: Vergleich HVB und Unicredito

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