Marc Adam wechselt nach Bern

31. Mai 2005, 20:58
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Der zurzeit in Lübeck tätige Franzose wird ab 2007 Direktor des Stadttheater

Bern - Der 49-jährige französische Regisseur und Theaterleiter Marc Adam, Generalintendant des Theater Lübeck, wird neuer Direktor des Stadttheater Bern. Er löst ab der Saison 2007/08 Eike Gramss ab, der nach 16 Jahren zurück tritt. Adam ist seit über 15 Jahren Theaterleiter.

"Theater" im Vorfeld

Adam setzte sich aus rund 50 Bewerbungen durch. Er sei "wegen seiner Persönlichkeit" und "seiner hohen menschlichen und sozialen Kompetenz" gewählt worden, und nicht "wegen seiner künstlerischen Ausrichtung", sagte Stadttheater- Verwaltungsratspräsident Henri Huber vor der Presse. Der Entscheid sei jedoch nicht einstimmig gefallen.

Die Wahl des neuen Stadttheater-Direktors hatte im Vorfeld zu einem für Bern unüblichen "Theater" geführt. Das Regieduo Meret Matter und Samuel Schwarz war vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangt, weil es früh aus dem Rennen um die neue Direktion ausgeschieden war. Mit einer wenig transparenten Informationspolitik haben sich der Verwaltungsrat und die Findungskommission zusätzlicher Kritik ausgesetzt. Kritisiert wurde insbesondere, dass in der fünfköpfigen Findungskommission bis auf einen zugezogenen Theatermann keine Fachleute saßen.

Biografie

Der gebürtige Strassburger absolvierte seine Ausbildung am INSAS, dem "Institut National Supérieur des Arts et du Spectacle" in Brüssel. Er hatte Leitungspositionen an Theatern und Theaterfestivals in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und Australien inne. Von 1986 bis 1990 war Adam künstlerischer Leiter des französischsprachigen Theaterfestivals "Perspectives" in Saarbrücken, von 1990 bis 1998 Generalintendant des "Théâtre des Arts" in Rouen. Seit 2000 ist er Generalintendant des Theater Lübeck.

Er stehe für ein "junges Theater" und wolle mit "jungen künstlerischen Kräften" arbeiten, sagte Adam, der für seine eigenen Inszenierungen mehrfach ausgezeichnet wurde, hat am Donnerstagabend in Bern. Er sei im Schauspiel wie in der Oper einem modernen Regiestil verpflichtet. Auch die Klassiker seien "immer aus heutiger Sicht" zu inszenieren. Am Theater Lübeck setzte er neben Klassikern mit Ur- und Erstaufführungen in Musiktheater und Schauspiel aus dem Ostseeraum einen viel beachteten Programmschwerpunkt. Adam, der sowohl im französischsprachigen wie im deutschsprachigen Raum gearbeitet hat, zeigte sich hoch erfreut, nach Bern zu kommen. Er sieht die zwei Kulturen des Kantons als Chance für das Hauptstadt-Theater. (APA/sda)

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