International Crisis Group warnt vor neuen Unruhen im Kosovo

27. Mai 2005, 18:55
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Think Tank fordert vorübergehende Freilassung von Kosovo-Ex-Premier Haradinaj

Sarajevo/Pristina - Die in Brüssel ansässige International Crisis Group (ICG) hat vor neuen Unruhen im Kosovo gewarnt. In einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht heißt es, das von den Vereinten Nationen verwaltete Protektorat werde "eher früher als später zur Instabilität zurückkehren", wenn sich die internationale Gemeinschaft nicht dazu durchringe, starke einheimische Institutionen zu schaffen. Der Kosovo-Übergangsverwaltung UNMIK wirft der renommierte Think Tank vor, "mehr einer Fluchtstrategie als einer Staatsaufbau-Strategie zu folgen".

Als entscheidend für die Stabilität der mehrheitlich albanischsprachigen Zwei-Million-Einwohner-Provinz sieht die ICG den Umgang mit Ex-Premier Ramush Haradinaj an. Wegen Verbrechen während des Kosovo-Krieges zwischen 1998 und 1999 stellte er sich im März freiwillig dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und hofft nun auf eine vorübergehende Freilassung. Nach der Ermordung seines Bruders gewährte das Gericht Haradinaj bereits im April einige Tage Freigang, um der Beerdigung beizuwohnen.

Sollte sich das Tribunal gegen eine Freilassung des populären Politikers und Ex-Kommandanten der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) bis zum Prozessbeginn entscheiden, rechnet die ICG mit Unruhen in Haradinajs Herkunftsregion im Westen des Kosovo: "Decan ist ein Pulverfass, voller wütender bewaffneter Gruppen, und abgeschnitten vom Rest des Kosovo." (APA)

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