Zeitlupe: Vorsorgen statt spielen

11. Juli 2005, 15:07
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Johann Skoceks zur Geldausstattung des Inselkicks, Fachkräfte aus dem Ausland und dem Schwund englischen Talents

Der FC Liverpool hat die Pointe eines der schönsten Fußball-Märchen formuliert. Die Mannschaft um Kapitän Steven Gerrard ist wie alle Topklubs aus England eine Multi-Kulti-Versammlung mit einigen Einheimischen. Im Endspiel erzielte bloß ein Engländer ein Tor für Liverpool: Gerrard, und zwar das 1:3, anschließend trafen nur noch Nichtengländer für den von einem spanischen Coach geführten neuen Champions-League-Sieger. Inklusive das Elferschießen.

Nach der Übernahme von Manchester United durch den US-Milliardär Malcolm Glazer wurde die Infiltration des Fußballs durch Fachkräfte aus dem Ausland und der Schwund an englischem Talent heftig diskutiert. Die Geldausstattung des Inselkicks hat viele Ressentiments gegen den Kapitalismus im Allgemeinen aufgerührt. Am heftigsten gegen Glazers Dollarmassen.

Die Investitionen aber haben Englands Klubfußball zum besten Europas gemacht. Chelsea mit seiner Legionärstruppe, finanziert von den fragwürdigen Geldquellen des russischen Ölmilliardärs Abramowitsch, wird als Englands Meister kommendes Jahr wahrscheinlich den europäischen Ton angeben. Liverpool darf als Meisterschafts-Fünfter nur mit einer Ausnahmegenehmigung der UEFA eventuell in die Champions League. Als fünfter Engländer. Für sie muss ein armer Klub aus dem Ausland weichen.

Mit England können nur die Italiener mithalten. Beim AC Milan spielen auch nicht mehr viele Italiener. Den zweifachen Torschützen im Finale, den Argentinier Hernan Crespo, borgten sie von Chelsea, die wollen ihn wieder zurück. Schließlich soll man seine Investitionen schützen, bevor diese unsicheren Spiele losgehen. (DER STANDARD Printausgabe 27.05.2005)

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