Mordanklage gegen US-Leutnant fallengelassen

30. Mai 2005, 08:39
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Offizier droht nach Tötung von zwei Irakern keine Strafe mehr

Camp Lejeune/USA - Das US-Marineinfanteriekorps hat am Donnerstag die Mordanklage gegen einen Leutnant fallengelassen, der im Irak zwei mutmaßliche Aufständische umgebracht haben soll. Der Offizier muss sich damit nicht mehr vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte geltend gemacht, der 33-Jährige habe an den beiden Irakern ein Exempel statuieren wollen, indem er 60 Mal auf sie schoss und über ihren Leichen ein Schild befestigte mit der Aufschrift "Kein besserer Freund, kein ärgerer Feind" - ein Slogan der Marineinfanterie.

Der Beschuldigte hat erklärt, er habe bei dem Vorfall 2004 in der Nähe der Stadt Mahmudiya in Notwehr gehandelt. Die Männer hätten sich seinen Anweisungen widersetzt und sich bedrohlich auf ihn zubewegt. Der mit den Ermittlungen betraute Oberstleutnant Mark Winn kam in einem Bericht an den zuständigen Kommandanten der 2. Marineinfanteriedivision zu dem Schluss, dass die Mordanklage fallengelassen werden sollte.

"Fehler bei der taktischen Beurteilung der Lage"

Er empfahl aber, den Offizier wegen entwürdigender Behandlung der Leichen zu bestrafen. Dem Beschuldigten seien schwere Fehler bei der taktischen Beurteilung der Lage unterlaufen, schrieb Winn an Generalmajor Richard Huck. Der Vorwurf, der Leutnant habe die Gefangenen von hinten erschossen, während sie vor ihm knieten, werde aber nicht von Zeugenaussagen oder Beweisen erhärtet.

Huck hätte der Empfehlung Winns folgen können und den Leutnant bestrafen oder ihn an ein Militärgericht überweisen können. Er entschied jedoch, dass der Beschuldigte in keiner Weise bestraft werden solle. In einer Erklärung der Marineinfanterie hieß es, mit dem Verfahren sei dem Interesse des Beschuldigten und der Regierung gedient.

Der 33-jährige Leutnant war Wall-Street-Händler, der sich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wieder der Marineinfanterie anschloss. (APA/AP)

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