Austria siegt im Derby

28. Mai 2005, 22:08
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Treffer von Rushfeldt entschied 272. Duell mit Rapid - Tätlichkeit von Didulica brachte Lawaree gebrochene Nase ein

Wien - Die Wiener Austria hat sich mit einem 1:0-Erfolg über den bereits seit eineinhalb Wochen als Meister feststehenden SK Rapid zwar nach verpatzter Saison nicht schadlos gehalten, zumindest aber die Chance auf den Vizemeistertitel gewahrt. Mit dem 100. Erfolg im 272. Wiener Derby verpatzten die Austrianer dem Lokalrivalen zumindest dessen Meister-Party und gewannen laut Teammanager Peter Stöger "etwas von ihrem Image zurück".

Sehenswerter Treffer

Wie bereits im bis dato letzten Aufeinandertreffen im März entschied Austria-Goalgetter Sigurd Rushfeldt die emotionsgeladene Partie im mit 46.000 Zuschauern fast ausverkauften Ernst Happel-Stadion mit einem sehenswerten Treffer (36.) zu Gunsten der Violetten, deren Goalie Didulica in einer emotionsgeladenen Schlussphase ausgeschlossen wurde (79.).

Die Austria bleibt damit Rapids Angstgegner: Die Hütteldorfer laufen seit dem 6. Mai 2001 und damit seit 16 Partien einem Derby-Sieg nach. Der Lokalrivale ist damit die einzige Mannschaft, die die Rapidler in den beiden vergangenen Bundesliga-Saisonen jeweils nicht bezwungen hat. Keine guten Vorzeichen für das Cupfinale kommenden Mittwoch, in dem sich die beiden Erzrivalen erneut im Prater gegenüberstehen.

Rapid mit mehr Initiative

Dabei war Rapid mit viel Engagement gestartet, wie ausgewechselt im Vergleich zur meisterunwürdigen 1:4-Niederlage am Wochenende in Salzburg. Martinez prüfte Didulica bereits nach drei Minuten, ehe dieser eine Minute später mit Mühe einen 20-Meter-Volley von Rapid-Kapitän Hofmann über die Latte drehte. Nach rund zehn Minuten verebbte der Anfangselan, die Austrianer bekamen die Partie besser in Griff. Die erste halbe Stunde war von viel taktischem Geplänkel im Mittelfeld, wenig Risiko und noch weniger Tempo geprägt.

Die besseren Chancen fand aber weiterhin der frisch gebackene Meister vor. Erst scheiterte Ivanschitz per Freistoß knapp am rechten Kreuzeck (21.), dann vergab er nach Doppelpass mit Hofmann eine riesige Konterchance kläglich (35./drüber). Im Gegenzug schlug Derby-Spezialist Rushfeldt dann mit seinem 19. Saisontor zu: Markus Hiden köpfelte eine Sionko-Flanke nur kurz weg, der Norweger zog volley von der Strafraumgrenze unhaltbar für Rapid-Schlussmann Payer ab. Es war Rushfeldts fünfter Derby-Treffer in den vergangenen fünf Duellen.

Alte Weisheiten

"So ist es eben im Fußball. Wenn man vorne seine Chancen nicht nutzt, bekommt man hinten die Tore", bemühte Ivanschitz eine alte Fußballer-Weisheit, nachdem auch Lawaree nach Martinez-Quarpass gescheitert war (46.). Noch vor der Pause traf Austria-Stürmer Vastic per raffiniert angeschnittenem Freistoß nur die Latte (48.).

Nach Seitenwechsel gingen dann erstmals die Emotionen hoch: Nach einem Hofmann-Freistoß, der von der Latte nicht zur Gänze über Torlinie und zurück ins Feld sprang, riss Didulica - in der Pause angeblich von einem Rapid-Fan bespuckt - Martinez im Fünfmeter-Raum zu Boden (53.). Zuvor war aber bereits eine Abseitsstellung vorgelegen - kein Elfmeter. Drei Minuten später brachte Burgstaller im Rapid-Strafraum Sionko zu Fall - ebenfalls kein Elfmeter für Schiedsrichter Stuchlik.

Unentschuldbarer Ausetzer von Didulica

Guten Chancen auf beiden Seiten durch Sionko (58./Flanke streifte die Latte), Ivanschitz (60.) und Vastic (65.) folgte in Minute 79 eine weitere unschöne Szene mit Didulica in der Hauptrolle: Der Kroate sprang - ähnlich wie schon im UEFA-Cup-Achtelfinale gegen Saragossa - Rapid-Stürmer Lawaree an der Strafraumgrenze mit dem Knie voran ins Gesicht und sah zu Recht die Rote Karte. Der Belgier musste mit einem Cut und Verdacht auf Nasenbeinbruch ausgetauscht werden. In einer dramatischen Schlussphase und sechsminütiger Nachspielzeit verteidigten zehn Austrianer um Ersatzgoalie Safar dann den zweiten Derbysieg in Serie.

Der grün-weißen Feierstimmung auf den Rängen - weit mehr als 40.000 waren von Rapid-Fans besetzt - tat aber auch die erste Heimniederlage der Bundesliga-Saison (im Hanappi-Stadion war man ungeschlagen geblieben) keinen Abbruch. Denn eines musste auch Austria-Mäzen und Bundesliga-Präsident Frank Stronach vor der Übergabe der Trophäe an Hofmann einsehen: "Einen Meisterteller kann man sich nicht kaufen." (APA)

  • SK Rapid Wien - FK Austria Magna 0:1 (0:1)
    Ernst Happel Stadion, 46.000 Zuschauer, SR Stuchlik.

    Tor: 0:1 (36.) Rushfeldt

    Rapid: Payer - Markus Hiden, Burgstaller, Feldhofer, Korsos - Hofmann, Martinez, Hlinka, St. Kulovits (56. Kincl), Ivanschitz (77. Sturm) - Lawaree (83. Kienast)

    Austria: Didulica - Dospel, Afolabi, Papac - Sionko, Kiesenebner (21. Troyansky), Blanchard, Mila (83. Safar), Kitzbichler (57. Dosunmu) - Vastic, Rushfeldt

    Rote Karte: Didulica (79./Unsportlichkeit)
    Gelbe Karten: Burgstaller, Hlinka bzw. Mila, Vastic

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Sigi Rushfeldt jagte einen Volley unter die Latte.

    • Joey Didulica mit brutalem Einstieg gegen Axel Lawaree.
      foto:standard/fischer

      Joey Didulica mit brutalem Einstieg gegen Axel Lawaree.

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