Seegrotte Hinterbrühl: Betroffenheit am Jahrestag

28. Mai 2005, 00:02
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Bootsunglück im Schaubergwerk forderte fünf Menschenleben - die Vorerhebungen sind noch immer nicht abgeschlossen

Mödling - Es war der mit Abstand schwärzeste Tag in der Geschichte der Seegrotte Hinterbrühl: Am 31. Mai 2004 kenterte ein Boot mit Touristen am unterirdischen See des Schaubergwerks, fünf Personen kamen ums Leben. Ein Jahr danach sitzt der Schock bei den Betreibern immer noch tief. Die Besucherzahlen von vor dem Unglück wurden nicht mehr erreicht. Ein Gutachten, das den Unfallhergang klären soll, wird immer noch von der Staatsanwaltschaft geprüft.

"Dem Betrieb geht's gut, wir haben uns erfangen, wir strampeln uns wieder hinauf", erzählte eine Frau von der Geschäftsführung der Seegrotte im APA-Gespräch, nur wenige Tage vor dem traurigen Jahrestag. Ihren Namen wollte sie nicht nennen, die Erinnerungen über die Berichterstattung in den Medien sind nicht die besten: "Es wurde sehr viel Unsinn geschrieben, der nicht belegbar war - zum Teil unter der Gürtellinie. Dabei haben wir uns völlig korrekt verhalten, alle Auflagen erfüllt. Es gibt ja immer noch keinerlei Schuldzuweisungen."

Ursache nicht geklärt

Der Grund für den Tod jener fünf deutschen Urlauber, die an jenem Tag hilflos unter dem Rumpf des Bootes eingeschlossen worden waren, ist bis heute nicht geklärt. "Es gibt ja auch Berichte, dass einem Gast schlecht geworden ist und das Boot deshalb gekentert ist. Aber genaues wissen wir nicht, niemand weiß das."

Früher - also vor dem 31. Mai 2004 - kamen viele Schulklassen in die Hinterbrühl. "Die lassen jetzt aus", sagt die Frau. Aber man habe viel Werbung gemacht, was vor allem bei den Touristen aus den neuen EU-Ländern angekommen sein dürfte: "Die sind alle begeistert. Schließlich bieten wir Führungen in 16 Sprachen an. Wir hoffen, dass sich alles wieder normalisiert."

See entstand 1912

1,20 Meter tief und acht Grad kalt ist jener smaragdgrüne See, der sich - weit drinnen im Bergmassiv - auf 6.200 Quadratmetern ausdehnt. 1912 entstand dieses Naturphänomen durch eine Sprengung im damaligen Bergwerk. Fast geräuschlos, friedlich, aber auch ein bisschen unheimlich schwebt die "Barbara" über die klare Wasseroberfläche.

Das Boot eine Fehlkonstruktion, der Schiffsführer schlecht ausgebildet, zu viele Leute an Bord - die ersten Erkenntnisse aus dem Gutachten, die im Dezember 2004 kolportiert worden waren, verhießen nichts Gutes. Doch Anklagen gibt es nach wie vor keine. "Die Vorerhebungen werden derzeit geprüft. Mit einem Ergebnis ist in einigen Wochen zu rechnen", berichtete Werner Nussbaumer von der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt der APA. Ob es anschließend zu einer Anklage, zur Einstellung des Verfahrens oder zu weiteren Erhebungen kommen werde, sei im Moment noch völlig offen.

Dunkle Kapitel

Während des Zweiten Weltkrieges hatte das NS-Regime das ehemalige Bergwerk beschlagnahmt, um einen Rüstungsbetrieb einzurichten. Dazu wurde das Wasser ausgepumpt. Von September 1944 bis April 1945 wurde die heutige Schaugrotte als Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen genutzt, heißt es auf der Homepage der Gedenkstätte Mauthausen. Bis zu 800, nach anderen Angaben 1.800 Häftlinge mussten unter Tage arbeiten.

Ein weiteres, dunkles Kapitel schrieb der 31. Mai 2004. "Es war ein furchtbarer Tag für uns, der kaum zu verkraften ist", ist die Frau aus der Geschäftsführung, die ungenannt bleiben möchte, immer noch erschüttert. Eine mögliche Schuld des Unternehmens an dem Unglück weist sie zurück: "Wir haben nichts zu verbergen - aber auch nichts zu beschönigen."(APA)

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