Ein Bühnenbild namens Austria

31. Mai 2005, 21:20
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Frank Stronach unternimmt derzeit den vielleicht letzten Versuch, die Wiener Austria mit einem ordentlichen Management auszustatten

Wien - Frank Stronach sitzt am Montag in seinem schlossähnlichen Golfklubhaus in Oberwaltersdorf und wartet. Austrias General Manager Anton Polster und dessen jahrzehntelanger Berater Skender Fani nähern sich, durch einen Stau auf der Südautobahn bedingt, der Besprechung mit "dem Boss", wie Polster ihn nennt, mit Verspätung. Noch am selben Tag werden aus Polsters Umgebung Gerüchte kolportiert, es gebe kaum mehr Chancen für eine Zusammenarbeit mit Stronach.

"Polster schon weg"

Am Abend sitzt Jurist Richard Piller, ein Proponent der Faninitiative westtribuene.at, in der Diskussionssendung von Puls TV und sagt, nach Infos aus ernst zu nehmender Quelle sei "Polster schon weg". Die den Fans gemäß "letzte Chance auf Austrias Identität" sei Stronachs Wankelmut und den Einflüsterern geopfert worden. Um keine Wickel beim Derby und Cupfinale zu riskieren, werde bloß mit der Vollzugsmeldung bis nächste Woche gewartet.

Der Aufbau Anton Polsters von der Identitätsfigur zum Märtyrer ist damit abgeschlossen. Die Fans, seit Jahren nach der Wärme der "Austria-Identität" sich sehnend, rufen "Magna raus".

Polster, der nach hartnäckigen Gerüchten mehr als 500.000 Euro pro Jahr für seinen Ikonenstatus kassiert, hatte am Sonntag in Premieres "Talk und Tore" gesagt, er drehe bei der Austria jeden "Cent dreimal um, bevor wir ihn ausgeben". Die Verhandlungen mit der Austria führt im Namen des Verteidigers Papac, bei dem die Option nicht rechtzeitig gezogen wurde, seit Kurzem Polsters Berater Skender Fani. Sagt Polster selber. Ein Latrinengerücht besagt, dass Fani mit Otto Baric verhandle, ob der nicht Sportchef bei der Austria werden wolle. Bis heute ist keine Meldung über einen sinnvollen Businessplan für Polsters Kerngeschäft, die Lukrierung von Sponsoren und die Ankurbelung des Marketingbereiches, an die Öffentlichkeit gedrungen.

Controller für Manager

Am Dienstag wird im wöchentlichen Jour Fixe zwischen der Austria und dem Betriebsführer Magna der Sportchef Günter Kronsteiner "von seinem Versorgungsposten", wie es übereinstimmend in den Zeitungen heißt, beurlaubt. Die Botschaft ist eindeutig: Kronsteiner muss endlich einen Job räumen, zu dem er degradiert wurde und an den er sich zu Unrecht krallt. Polsters Umgebung registriert den Spruch und streut die Nachricht in alle Winde. Kein Wort darüber irgendwo, dass Stronach offenbar Misstrauen zu Polsters Kompetenz oder Arbeitsleistung hatte, sonst hätte er dem General Manager kaum einen vereinsfremden Controller vorgesetzt. Stronach hat außerdem den seit Längerem unter anderen für die Austria tätigen Anwalt Wolfgang Rebernig damit beauftragt, sich die Spielerverträge auf Ungereimtheiten und Nebengeräusche anzuschauen.

Fani, auch ein Anwalt, vertritt ebenfalls die Interessen seiner Klienten. Aber seine Vielfalt als Stronachs Ratgeber und Polsters Anwalt und Spielerberater ist doch bemerkenswert. Bloß ein Detail, das allerdings erst das Bild vervollständigt und merkwürdigerweise überall übersehen oder bewusst negiert wird.

Vielleicht ist das Stronachs Dilemma, dem er sich wegen seiner seltenen Aufenthalte nicht entziehen kann. Er hat es bisher nicht geschafft, eigeninteressenlose Ratschläge von interessengesteuerten Ratschlägen zu trennen. Das ist Stronachs ureigenes Versäumnis, aber es gibt Anzeichen dafür, dass er seine Lektion gelernt haben könnte. Und wenn nicht, spielen alle weiter ihre Rollen. Schließlich ist das hier Showbusiness und nicht bloß Sport. Stronach zahlt eh brav die Aufführungen. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 27.05.2005)

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