Revuetänze im Hauptquartier

27. Mai 2005, 11:35
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"Big Dada" von forumfestwochen ff ist eine lustige Diktatorenshow

Wien - Die in den 90er-Jahren um Brett Bailey (Kapstadt) entstandene Third World Bunfight Company agiert in ihren Aufarbeitungsstücken jenseits jeder Betroffenheit: Vergangenheitsbewältigung als pure Unterhaltung. In einer glamourösen Revue rückt die Gruppe aus Tänzern, Sängern und Schauspielern Aufstieg und Fall des Diktators Idi Amin zur Karikatur zurecht. Der für den Genozid im Uganda der 70er-Jahre verantwortliche General, von England und Israel zur jeweiligen Einflusssicherung installiert, war ehemaliger Schwergewichtschampion "ohne Schulabschluss, dafür mit Köpfchen" und liefert für die im Schauspielhaus laufende eineinhalbstündige Revue dergestalt genug Schreckensmaterial.

Big Dada reiht im meist auch betörend getanzten Rhythmus eingängiger Heimorgelmelodien und im Objekttheaterstil die Chronologie der Ereignisse aneinander: Amin auf Shoppingtour bei Gaddafi - hier packt er Spielzeugkampfjets in sein Körbchen; nebenan lechzen Amins vier Frauen (Männer mit Bikinipappoberteilen) synchron nach den neuen Einkäufen.

Bailey pokert mit Stereotypen afrikanischer Kultur so hoch, dass ihm (als Weißen) vor allem im Ausland der Vorwurf von Ethnokitsch nicht selten entgegengehalten wird. Die Bluthunde Amins etwa treten in Big Dada knochenschwingend als vierbeinige Tiermenschen mit überdimensionalen Gebissmasken auf. Billig, aber nicht schlecht. Eben Show. Bailey mimt in seiner Arbeit nicht den großen Zurechtrücker, den Botschafter, seine Geste ist (fast schon zu) bescheiden: Feierabendunterhaltung.

Der Moderator der Show (Englisch mit deutschen Übertiteln) wird später all seine geschichtlichen Ausführungen zum Unterdrückungs- und Korruptionsregime blutverschmiert japsend zurücknehmen und landet hinter Gittern. Amin wird in seiner Schlusspose als Kannibale seines ugandischen Volk noch im Schlachtschurz den Befehl zum Angriff Tansanias geben, zur rechten Zeit aber dann im Privatjet in die Bühnenpalmen "fliegen".

Gemeinsam mit Zerstörung eines Stadtteils des kolumbianischen Mapa-Theaters geht die Festwochen-Veranstaltungsreihe forumfestwochen ff hiermit den Weg ortsgenuinen Theaters, den Produktionen von Irkutsk bis Omsk in den letzten Jahren vorgelegt haben, weiter. Keine ästhetischen Highlights, aber erfrischend Anderes.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.5.2005)

Von
Margarete Affenzeller

Termin

Freitag, 27.5., 20 Uhr, mit anschließendem Publikumsgespräch

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    foto: festwochen
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