Siemens opfert Wasserkraft für VA Tech

20. Dezember 2005, 11:45
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Der Elektromulti gibt dem Druck aus Brüssel nach und opfert VA Tech Hydro am Altar der Wettbewerbskommission, um die gesamte Übernahme nicht zu gefährden

Wien - Sprichwörtlich am letzten Drücker hat sich Siemens in der Nacht auf Donnerstag dazu durchgerungen, dem Druck der EU-Wettbewerbskommission nachzugeben und die Wasserkraftsparte zum Verkauf anzubieten. Zu Mitternacht war jene Frist abgelaufen, in der der Elektromulti im laufenden Kartellverfahren zum Zwischenbericht der Kommission Stellung beziehen, respektive Entgegenkommen signalisieren musste.

"Siemens hat sich stets bemüht, eine Gesamtübernahme zu erreichen, aber es zeichnet sich ab, dass die EU-Kartellbehörde aufgrund erheblicher wettbewerblicher Bedenken eine Übernahme nur unter Auflagen genehmigen wird", ließ Siemens via Aussendung wissen. Aus der Einbringung in das Wasserkraft-Jointventure Voith-Siemens, die vor einem Monat angeboten worden war, wird nun also doch nichts. Sie brachte erwartungsgemäß keine Minderung der Marktdominanz und genügte den Brüsseler Kartellwächtern daher nicht.

"Es wäre jammerschade, wenn wir den Bereich opfern müssten", zitierte News Siemens-Österreich-General Albert Hochleitner noch am Mittwoch. Demnach gibt es aber "viele Kandidaten, die sich dafür interessieren", wird Hochleitner zitiert.

Größtes Hindernis beseitigt

Mit dem Verkauf der in Weiz und Wien angesiedelten Wasserkraftsparte ist das größte Hindernis auf dem Weg zur VA Tech aus dem Weg geräumt und der Gesamtübernahme dürfte nichts mehr im Weg stehen. Am 29. Juni sollte die seit Februar laufende, vertiefte Prüfung abgeschlossen sein, heißt es bei der zuständigen Kommission.

Siemens trennt sich mit diesem Zugeständnis übrigens nicht von der ganzen VA-Tech-Energieerzeugung. Neben dem Wasserkraftwerksbau sind unter dem Dach "Hydro" noch die mit Gasturbinen von General Electric bestückten Gas-Kombi-Kraftwerke (Combined Cycle) und die Turbogeneratoren-Produktion in Weiz vereint. Gemeinsam stellten die drei mit 884 Millionen Euro fast ein Viertel des VA-Tech-Umsatzes des Jahres 2004.

Der größte Brocken davon entfällt freilich auf Konzeption, Errichtung und Service schlüsselfertiger Wasserkraftwerke, damit wurden im Vorjahr rund 450 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet. Rund 350 Mio. Euro spielte Combined Cycle ein, die restlichen 70 Mio. Euro die Generatorenfertigung (für General Electric). Von den rund 3000 "Hydro"-Mitarbeitern sind rund 430 in der thermischen Energieerzeugung tätig, etwa 220 bei den Generatoren.

Arbeitsplatzgarantie nur für 18 Monate

Bei ihnen steigt nun die Ungewissheit über die Zukunft ihrer Arbeitsplätze, denn die von Siemens gegebene Arbeitsplatzgarantie reicht nur für 18 Monate. Bei den Gas-Kombi-Kraftwerken ist überhaupt Flaute, der vermutlich letzte Kraftwerksauftrag mit einer Gasturbine über 135 Mio. Euro ging im April aus Bukarest ein.

Noch unter Verschluss ist, welche "Anpassungen" Siemens beim VAI-Industrieanlagenbaus in Linz angeboten hat. Knackpunkt ist hier die Automatisierung, die Siemens eine komfortable Marktposition bescheren würde. Insider glauben zu wissen, dass Hauptkonkurrent SMS Demag mit einer höheren Abfindung besänftigt wurde.

Wie berichtet, streiten Siemens und der Weltmarktführer im metallurgischen Industrieanlagenbau über den Preis für jene 28 Prozent, die Siemens im Juli 2004 an SMS-Mehrheitsaktionär Heinrich Weiss zurückgegeben hat. (Luise Ungerboeck, Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.5.2005)

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    Die VA Tech-Wasserkraft war Siemens Österreich-Chef Albert Hochleitner doch zu stark.

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