Gefährliche Spiele mit den Softguns

28. Mai 2005, 00:01
11 Postings

Drittklässler spielen damit - Dass sie nicht an Jugendliche verkauft werden dürfen, kümmert fahrende Händler immer weniger

Wien/Linz - Vor der Volksschule in Enns haben Drittklässler nach Schulschluss mit Softguns "herumgespielt". Eine gelbe Plastikkugel hat Oliver am Kopf getroffen, erzählt Laura. Das Kind kam mit einem Schrecken davon. In der Nachbargemeinde St. Florian bei Linz wurde auf dem Kirtag ein Jugendlicher vom Projektil einer Softgun leicht verletzt, gibt die Exekutive zu Protokoll. Fahrende Händler haben diese für Kinder verbotenen Waffennachbauten neben Spielwaren und Schaumrollen zum Verkauf angeboten.

Augen gefährdet

"Vor allem Augen und Zähne können durch die Federdruckwaffen verletzt werden", sagt Rupert Kisser, Leiter des Wiener Instituts Sicher Leben. Regelmäßig erhebt das Institut an sechs österreichischen Spitälern stichprobenartig die Sport- und Freizeitverletzungen. Fallweise befinden sich darunter auch Verletzungen durch Softguns.

Ulrich Schönherr, Primar der Augenabteilung des Ordensspitals der Barmherzigen Brüder in Linz kennt derartige Verletzungen vor allem aus seiner Dienstzeit in Deutschland. Von einer eingerissenen Regenbogenhaut bis hin zu Netzhautablösungen reiche das Spektrum der so genannten stumpfen Verletzungen des Auges.

Eine Art "Waffe" Aber nicht nur wegen des Gesundheitsrisikos sind derartige Waffen kein Spielzeug. "Softguns stellen haargenaue Nachbildungen von bekannten Pistolenmodellen dar, die aufgrund ihrer täuschenden Ähnlichkeit echt wirken können. (. . .) In der Hand eines Jugendlichen mit gewissen ungünstigen Persönlichkeitsmerkmalen (z.B. Labilität, geringe Hemmschwelle, leichte Beeinflussbarkeit) kann die Softgun zu einem Instrument werden, das unter Umständen als ,Waffe' eingesetzt wird", heißt es in einem Gutachten des Psychologischen Diensts vom Amt für Jugend und Familie des Magistrats Wien. Laut dem Wiener Jugendschutzgesetzes fallen Softguns somit unter jugendgefährdende Gegenstände. So steht es auch im oberösterreichischen Gesetz.

Nicht unter 18 Zusätzlich wurde aber im vorigen Jahr noch eine Verordnung erlassen. In dieser Präambel werden Softguns ausdrücklich als Gegenstände, die Jugendliche in ihrer Entwicklung gefährden, benannt. In Konsequenz bedeutet dies, dass sie Jugendlichen unter 18 Jahren nicht überlassen werden dürfen. Anlass für dies Verordnung war eine Untersuchung der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien vom September 2004 (DER STANDARD berichtete).

Diese schickte einen 15-Jährigen in Wiener Waffengeschäfte, um dort Softguns zu kaufen. In acht der 16 Geschäfte bekam er die "Pistolen" ohne Probleme. Damit verstießen die Händler aber nicht nur gegen das Jugendschutzgesetz. Der Verkauf von Federdruckwaffen ist im österreichischen Produktsicherheitsgesetz geregelt: nicht an Jugendliche unter 18 Jahren (gilt jedoch nur für Waffen, deren Druck mehr als 0,08 Joule beträgt), und Spielwarengeschäfte dürfen Softguns überhaupt nicht in ihrem Sortiment führen.

Kirtagskontrollen

In Oberösterreich scheinen aber zunehmend fahrende Händler dieses Verbot zu ignorieren, so die Beobachtung der Sicherheitsdirektion. Sie kündigte verstärkte Kontrollen auf Kirtagen an. Nach dem Jugendschutzgesetz kann diese Verwaltungsübertretung mit bis zu 7000 Euro bestraft werden.

In Enns hat die Direktorin der Volksschule nach Bekanntwerden des Zwischenfalls von voriger Woche sofort reagiert. In einer Mitteilung an die Eltern wurden diese darauf hingewiesen, derartige Waffen nicht in die Hände ihrer Kinder zu geben. Außerdem besprechen die Lehrer in ihren Klassen jetzt das Thema gefährliche Spielzeuge. (Von Kerstin Scheller, DER STANDARD – Printausgabe, 27.05.2005)

Share if you care.