Jackson hat gute Freispruch-Chance

28. Mai 2005, 12:13
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Prozess gegen den Popstar ist in der Endphase - Zeugen der Anklage unglaubwürdig

Santa Maria - Nach dem Ende der Zeugeneinvernahmen im Missbrauchsprozess gegen den Popsänger Michael Jackson zeigt sich, dass dessen Verteidigung eine erfolgreiche Strategie hatte: Es gelang ihr mit einer Reihe von glaubwürdigen Zeugen die Hypothese zu erhärten, Jackson sei das Opfer eines Komplotts. Prozessbeobachter halten einen Freispruch daher durchaus für möglich.

Seit am 1. Februar der Prozess mit der Geschworenenauswahl begonnen hatte, ist er eine Abfolge von grotesk klingenden Anschuldigungen und kühl kalkulierter Abwehr der Verteidigung, die alle Zeugen der Anklage als unglaubwürdig hinstellte.

Widersprüche

Vor einem Monat hat auch die Mutter des krebskranken Buben (damals 13 Jahre alt), den Jackson vor zwei Jahren auf seiner Ranch Neverland sexuell missbraucht haben soll, mit widersprüchlichen Aussagen für Aufregung gesorgt. Sie behauptete, Jackson und seine Leibwächter hätten vorgehabt, den Buben samt seiner Familie mit einem Heißluftballon ins Ausland abzuschieben.

Eine schwere Niederlage für Staatsanwalt Thomas Sneddon, denn die Geschichte war so wirr, dass die Frau als Kronzeugin unbrauchbar wurde. Auch eine der letzten Zeuginnen der Anklage, Jacksons geschiedene Frau Debbie Rowe, schadete dem Staatsanwalt. Sie erklärte unter Tränen, Jackson sei ihr Freund und ein hingebungsvoller Vater. Er würde sich nie an einem Kind vergreifen, betonte Rowe.

Entscheidende Wendung

Dies brachte im Prozess eine entscheidende Wendung zu Jacksons Gunsten. Ab 5. Mai begann die Verteidigung, ihre Zeugen zu vernehmen, was das Bild vom 13-Jährigen als unschuldiges Opfer zerstörte. Angestellte der Ranch berichteten, der Bub habe Jacksons Golfkarren absichtlich gegen Bäume gefahren und sei zusammen mit anderen Jugendlichen in den Weinkeller eingebrochen, um dort Alkohol zu trinken.

Die Aussage des ehemaligen Kinderfilmstars Macaulay Culkin war mit besonderer Spannung erwartet worden. Er hatte während seiner Kindheit viel Zeit auf Neverland verbracht und übernachtete auch im Schlafzimmer des Stars. Culkin betonte mit Nachdruck, er sei von Jackson nie unsittlich berührt worden, das wäre völlig unvereinbar mit Jacksons Charakter.

Die Sozialarbeiterin Irene Peters bestätigte Culkin. Sie hatte vor zwei Jahren den Buben gefragt, ob Jackson ihn in irgendeiner Weise unsittlich berührt habe. Damals habe der Kläger dies vehement abgestritten.

Komplottverdacht

Auch der Anwalt Mark Geragos, der bis 2003 für Jackson gearbeitet hatte, wurde vom Verteidiger Thomas Mesereau einvernommen. Er sagte, er habe die Familie des Buben schon lange im Verdacht gehabt, ein Komplott gegen Jackson zu schmieden. Deshalb habe er im Jahr 2003 einen Detektiv damit beauftragt, die Familie zu überwachen. Was diese Überwachung ergab, durfte Geragos allerdings aus verschiedenen Gründen nicht preisgeben.

Nach Beendigung der Zeugenbefragung durch die Verteidigung wird der Staatsanwalt Gelegenheit haben, die Aussagen der Entlastungszeugen zu widerlegen. Schon Ende nächster Woche könnten dann die Urteilsberatungen beginnen. (kps, DER STANDARD – Printausgabe, 24.05.2005))

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