Alarm wegen wirtschaftlicher Stagnation

27. Mai 2005, 14:38
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Besorgniserregender Bericht des Statistikamtes Istat: Konkurrenzfähigkeit der italienischen Betriebe seit zehn Jahren nicht mehr gewachsen

Rom - Italien erlebt eine "anhaltende Stagnationsphase", die für Ungewißheit und Pessimismus sorgt. Dies geht aus dem jüngsten Bericht des italienischen Statistikamts Istat über die sozial-wirtschaftliche Lage in Italien hervor. Die Trägheit des produktiven Sektors, der überalterte Arbeitsmarkt und die zunehmende Konkurrenz aus Billigländern nähren Angst in den Unternehmen, die nicht mehr auf Innovation setzen, und in den Familien, die ohne Zuversicht in die Zukunft blicken, heißt es im Bericht.

"Seit über einem Jahrzehnt wächst die Konkurrenzfähigkeit der italienischen Betriebe nicht mehr, sie investieren zu wenig in Innovation und Forschung. Wenn ein Unternehmen expandiert, geschieht dies meist auf isolierter Basis, das gesamte Wirtschaftssystem ist davon kaum betroffen", so Istat-Präsident Luigi Biggeri, der in Rom den Jahresbericht 2004 über die italienische Situation vorgestellt hat.

Beschäftigungslage

Auch die Beschäftigungslage sei in Italien Besorgnis erregend, meinte Biggeri. Fast eine Million Italiener erklärten sich unterbeschäftigt, das heißt sie arbeiteten weniger Stunden, als sie gern täten. Die Unterbeschäftigten machen 4,4 Prozent der Arbeitskraft in Italien aus.

Das Resultat des allgemeinen Mißtrauensklimas ist, dass die italienischen Familien immer weniger auf Konsum und immer mehr auf Sparen setzen, geht aus dem Istat-Bericht hervor. Seit 2001 ist der Konsum in fast allen Teilen Italiens rückgängig.

Nachdem das italienische Statistikamt bekannt gegeben hat, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal 2005 um 0,5 Prozent gegenüber dem letzten Vierteljahr 2004 gesunken ist, wächst die Angst vor einer Rezession. Gegenüber dem Vergleichsquartal 2004 sank der BIP um 0,2 Prozent. "Wir stecken in einer Rezessionsphase, die Lage ist Besorgnis erregend", sagte Industriellenchef Luca Cordero di Montezemolo.

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat sich in einem Bericht über die Lage in Italien besorgt gezeigt. Mittelfristig seien die Wachstumsaussichten des italienischen Wirtschaftssystems wegen der schwachen Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie gering, hieß es. Das BIP werde bis 2005 unter dem europäischen Durchschnitt wachsen. Erst 2006 sei wieder mit einem Aufschwung zu rechnen, der vor allem vom zunehmenden Export abhänge, so im Bericht. Die Experten der in Paris ansässigen Organisation riefen Italien zur Ergreifung weiterer Maßnahmen zur Defiziteindämmung auf. Diese seien angesichts der Regierungspläne zur Steuersenkung ein Muss.

Die italienischen Gewerkschaften planen in den kommenden Wochen einen Generalstreik gegen die wirtschaftspolitische Linie des Mitte-Rechts-Kabinetts, das wegen der schlechten Wirtschaftsleistung Italiens unter Beschuss steht. Der italienische Wirtschaftsminister Domenico Siniscalco startete vergangene Woche eine Konsultationsrunde mit den Sozialpartnern, um Anti-Rezessionsmaßnahmen zu diskutieren. "Wir werden den Sozialpartnern konkrete Vorschläge zur Entwicklung des Landes unterbreiten", sagte Siniscalco. (APA)

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