Jetzt: Rapid empfängt die Austria

26. Mai 2005, 20:48
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Das 272. Wiener Derby steigt heute im ausverkauften Happel-Stadion, Frank Stronach überreicht Rapid danach den Meisterteller

Wien - Frank Stronach muss da durch. Rapid-Kapitän Steffen Hofmann wurde beauftragt, dem Präsidenten der Bundesliga den Meisterteller quasi zu entreißen, im Idealfall praktisch vor der Übergabe. Ohne Rücksicht auf Verluste, es muss nur schnell gehen, auch deshalb, um Herrn Stronach zu schonen. Wie lange das Ding dann bei Hofmann verweilt, und was er damit alles anstellt (anschauen, küssen, streicheln, in die Höhe halten) bleibt ihm überlassen.

Am Donnerstag, ungefähr um 20:20 Uhr im Happel-Stadion und nach dem Derby gegen die Austria, ist es also so weit. Rapid-Boss Rudolf Edlinger wird "sich glücklich fühlen", das unterscheidet ihn von Austria-Mäzen Stronach. "Ich empfinde keine Genugtuung, man soll nicht personifizieren. Personen sind in der Bundesliga nicht so wichtig."

Stronach hat gestern anlässlich von Austrias Jour fix Sportdirektor Günter Kronsteiner spontan beurlaubt, das kommt eine Trennung gleich. Generalmanager Toni Polster sieht sich nicht als Sieger in einem Machtkampf. "Weil ich ja keinen ausgetragen habe, der Boss hat entschieden." Kronsteiner werkte knapp zwei Jahre am Verteilerkreis. Ein Abschied von Polster gilt übrigens als nicht unwahrscheinlich. "Alles ist möglich", gibt er sich kryptisch. "Jetzt wären Ruhe und Siege für die Austria wichtig."

Das Stadion ist längst ausverkauft, Rapid hätte rein theoretisch 70.000 Karten absetzen können, die Sympathien sind äußerst ungerecht verteilt. Die Austria orderte für ihre Fans lediglich 1050 Tickets, der große Rest von 46.200 Menschen unterstützt nachdrücklich die Meisterlichen. Dem Gelingen der Party wäre ein Sieg nicht abträglich, wobei schon erwähnt werden soll, dass die Austria seit 15 Derbys ungeschlagen ist.

Trainer Josef Hickersberger empfindet Statistiken als "ungefähr so interessant wie den Schnee vom vorvorigen Winter". Sein Problem sei, "die richtige Balance zwischen Angriff und Verteidigung zu finden. Die Austria hat eine starke Mannschaft, die Wickel spielen sich ja in den oberen Etagen ab." Fußballerisch gesehen, so Hickersberger, sei die Wiederholung des 26. Mai, das Cupfinale am 1. Juni, der wesentlichere Termin. "Da geht es um einen Titel."

Peter Stöger, Austrias Sportchef (kann sich jederzeit ändern), sieht den beiden Partien gelassen entgehen. "Wir sind um nichts schlechter."

Rapid hat indes den Ausrüster-Vertrag mit Adidas um drei weitere Jahre verlängert, in dieser Saison wurden 16.000 Dressen verkauft, das Merchandising hat die Dimensionen eines deutschen Mittelständlers erreicht (Umsatz 1,7 Millionen Euro). Sponsor Ottakringer fabrizierte ein Meister-Bräu-Bier, die Stammwürze schafft 13 Prozent. Am Montag wird es ab 18 Uhr vorm Rathaus verschüttet, da feiert Rapid öffentlich weiter. Bürgermeister Michael Häupl, ein Austrianer, muss zum 31. Titel gratulieren. Warum soll es ihm besser als Stronach ergehen, Fußball ist gnadenlos. (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE)

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