Afghanische TV-Kanäle senden Appell für entführte Italienerin

28. Mai 2005, 22:00
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Demonstrationen in Kabul für Freilassung Cantonis - Verhandlungen mit Kidnappern gehen nur schleppend voran

Rom - Afghanische TV-Sender haben am Donnerstag begonnen, eine einminütige Videoaufnahme mit einem Appell zur Freilassung der in Kabul entführten Italienerin Clementina Cantoni zu senden. Der Appell soll in den kommenden Tagen von den verschiedenen Kanälen öfters wiederholt werden, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" in ihrer Donnerstag-Ausgabe. Auch religiöse Behörden in Kabul appellierten für die Freilassung der Mailänder Helferin.

Schleppende Verhandlungen

Die Verhandlungen mit den Kidnappern gehen nur schleppend voran. Die afghanischen Behörden zeigten sich optimistisch, doch die italienische Botschaft in Kabul äußerte die Sorge, dass die 32-Jährige an eine weitere Kriminellenbande weiterverkauft worden sei. Der afghanische Botschafter in Rom, Mohammad Nadir Hatami, schloss nicht aus, dass Anhänger der radikalislamischen Taliban hinter der Entführung stecken könnten. Er bestritt Spannungen mit Italien wegen der langwierigen Verhandlungen für die Freilassung der Freiwilligen.

In Kabul sind weitere Solidaritätsinitiativen mit der Mitarbeiterin des internationalen Hilfswerks CARE geplant. Eine im Radio interviewte Witwe, um die sich Clementina Cantoni gekümmert hatte, plädierte für ihre sofortige Freilassung. "Clementina ist zu mir nach Hause gekommen und hat meine Kinder mit kaputten Schuhen gesehen. Sie hat uns geholfen und uns Mut gegeben", betonte die Witwe im Interview mit dem afghanischen Radiosender Radio Killid.

Rund 300 Frauen haben am Donnerstag in Kabul für die Freilassung der entführten CARE-Mitarbeiterin demonstriert. Viele der Frauen - zumeist Witwen, die von der Arbeit Cantonis profitierten - weinten. Einige hinterließen ihren Daumenabdruck auf einem Plakat mit der Aufschrift "Die Waisen und Witwen aus dem sechsten Kabuler Bezirk wollen die dringende Freilassung von Clementina".

"Normale Kriminelle"

Cantoni war vor zehn Tagen in der afghanischen Hauptstadt Kabul verschleppt worden. Laut italienischen Medienangaben verlangen die Entführer, bei denen es sich nicht um Terroristen, sondern um "normale Kriminelle" handeln soll, unter anderem die Freilassung mehrerer afghanischer Gefangener. Einer der angeblichen Entführer hatte sich schon in mehreren Interviews zu der Geiselnahme geäußert. Ein Ultimatum war bereits am Mittwochvormittag verstrichen. (APA)

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