Telekom Austria: Zuversicht für Übernahme der bulgarischen Mobiltel

26. Mai 2005, 19:01
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Vorstand bestätigt auf Hauptversammlung Jahresprognose für 2005 - Unternehmensteilung "vom Tisch"

Wien - Die börsenotierte Telekom Austria (TA) ist zuversichtlich für die geplante Übernahme des bulgarischen Mobilfunkbetreibers Mobiltel. "In Bulgarien zeichnet sich ein greifbares Ergebnis ab, die Transaktion dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit zu realisieren sein", sagte TA-Generaldirektor Heinz Sundt am Mittwoch bei der ordentlichen Hauptversammlung (HV), zu der sich mehr als 800 Aktionäre angemeldet hatten.

Die Übernahme - angesichts des Kaufpreises von 1,6 Mrd. Euro eine der größten Auslandsakquisitionen in der österreichischen Firmengeschichte - soll den Plänen zufolge spätestens im 3. Quartal 2005 über die Bühne gehen.

Wertzuwachs

Die Übernahme der Mobiltel werde für einen Wertzuwachs für die gesamte TA-Gruppe sorgen, betonte Sundt. Der Kaufpreis entspreche mit 1,6 Mrd. Euro 5,1 mal dem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA), womit das Investment unter den internationalen Benchmarks liege.

Vodafone habe für die rumänische MobiFon vergleichsweise ein EBITDA-Multiple von 7,2 bezahlt, die Telefonica in Tschechien für Cesky Telecom ein Multiple von 6,4, für die Turkcell sei ein Multiple von rund 6 auf den Tisch gelegt worden. Die TA hatte die Kaufoption für die Mobiltel im Dezember 2004 erworben. Heute wäre die Mobiltel bereits teurer, so Sundt.

Der Kaufpreis für die Mobiltel setzt sich aus einem Basisbetrag von 1,45 Mrd. Euro und aus einer Prämie von 150 Mio. Euro zusammen, die an die Erreichung bestimmter Unternehmensziele geknüpft ist.

Keine Angst vor drittem Anbieter

Den vor dem Start stehende dritten Betreiber in Bulgarien fürchte man nicht, betonte TA-Mobilfunk-Vorstand Boris Nemsic: "Ich habe keine Angst, dass wir nicht erfolgreich sein werden".

Die Mobilkom Austria sei angesichts der bereits neun Mobilfunkbetreiber in Österreich mit hartem Wettbewerb vertraut. Allerdings werde man die Margen und Marktanteile der Mobiltel angesichts des Starts eines dritten Betreibers künftig nicht halten können, ergänzte Sundt.

Erfolgreiches Geschäftsjahr 2004

Sundt verwies bei der HV auf ein überaus erfolgreiches Geschäftsjahr 2004 und bestätigte die Jahresprognose für 2005. Demnach rechnet die TA mit einem zumindest stabilen Umsatz und Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) und einem Plus von mindestens 25 Prozent beim Nettogewinn.

Nicht beinhaltet in dieser Prognose sind die Auswirkungen einer möglichen Konsolidierung der Mobiltel möglicherweise im vierten Quartal. In den kommenden drei Jahren werde die TA 2 Mrd. Euro aus dem Cash-Flow für Akquisitionen, höhere Dividenden und Aktienrückkäufe im Volumen von 1 Mrd. Euro verwenden, berichtete Sundt. Für 2005 strebe man eine Erhöhung der Ausschüttungsquote von 52 auf 65 Prozent an, für 2004 soll die Dividende auf 24 Euro erhöht werden.

Aufsplittung vom Tisch

Beruhigt darüber zeigte sich Sundt, dass die zwischenzeitlich diskutierte Aufsplittung der TA in zwei Unternehmensteile - Festnetz und Mobilfunk - nun offenbar vom Tisch sei. Die angepeilte neue Struktur, die eine Aufteilung der TA-Gruppe unter einer Holding in Festnetz, Mobilfunk und einem gemeinsamen Servicebereich vorsieht, sei eine Reaktion auf veränderte Markt- und Kundenbedürfnisse und neue Technologien.

Die Holding werde mit den aktuellen vier TA-Vorständen besetzt und schlank organisiert werden, betonte Sundt. Die erste Phase der Strukturreform soll früheren Angaben zufolge bis 1. Jänner 2006 abgeschlossen sein.

Stadler und Mitterbauer in Aufsichtsrat gewählt

Mit 99,9 Prozent der Stimmen wählten die TA -Aktionäre Investkredit-Generaldirektor Dr. Wilfried Stadler und Miba-Geschäftsführer DI Peter Mitterbauer neu in den Aufsichtsrat (AR). Für Diskussion sorgte zuvor allerdings, dass Stadler gleichzeitig auch Aufsichtsratsvorsitzender der Rundfunk- und Regulierungsbehörde RTR ist.

Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger und der Präsident des Interessensverbands der Mobilfunkkunden (IVMK), Robert Marschall, orteten in ihren Wortmeldungen eine "schlechte Optik" und eine Unvereinbarkeit der beiden Aufsichtsratssitze Stadlers.

Stadler betonte hingegen, in der RTR nicht mit inhaltlichen, sondern rein mit finanztechnischen Fragen befasst zu sein: "Ich habe mit der Regulierung nichts zu tun". Daher liege keine inhaltliche Überschneidung vor. Rasinger und Marschall kritisierten außerdem, dass Stadler und Mitterbauer keinerlei Erfahrung im Telekom-Bereich hätten.

"Unverständnis"über Aufstockung

"Unverständnis" äußerte Rasinger auch über die Aufstockung des Kontrollgremiums um zwei Mitglieder an sich. Die bisherigen 12 Aufsichtsräte seien sicherlich ausreichend gewesen, so der Kleinaktionärsvertreter.

ÖIAG-Chef Peter Michaelis begründete die Aufstockung, die die Zahl der Kapitalvertreter von acht auf zehn steigen lässt, mit der "hohen Sitzungsfrequenz" bei der TA. Stadler und Mitterbauer würden eine "wesentliche Bereicherung" für den TA-Aufsichtsrat darstellen.

Der gebürtige Salzburger Stadler (Jahrgang 1951) war nach dem Volkswirtschaftsstudium zunächst im familieneigenen Unternehmen und dann als wirtschaftspolitischer Referent im Österreichischen Wirtschaftsbund tätig. Seit 1987 ist er in der Investkredit tätig, seit 1995 als Mitglied des Vorstandes, seit 2002 als Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender.

Mitterbauer (Jahrgang 1942) trat nach dem Maschinenbau- und Betriebswirtschaftsstudium an den Technischen Universitäten Wien und Graz in das familieneigene Unternehmen Miba, ein börsenotierter Autozulieferer, ein, an dessen Spitze er seit knapp 20 Jahren steht. Daneben war er langjähriger Präsident der Österreichischen Industriellenvereinigung und Vizepräsident des europäischen Industrie- und Arbeitgeberverbandes UNICE.

Weiters wurde der TA-Vorstand heute ermächtigt, während einer Geltungsdauer von 18 Monaten Stückaktien zu einem niedrigsten Gegenwert von 9 und einem höchsten Gegenwert von 21 Euro pro Aktie zu erwerben. Bisher lag der Höchstwert bei 18 Euro. (Schluss) vv/ggr/cs

Vorstand kann Grundkapital herabsetzen

Im Rahmen einer Ermächtigung zum Aktienrückkauf hat der Vorstand auch das Recht erhalten, durch Einziehung eigener Aktien das Grundkapital der Gesellschaft um bis zu knapp 110 Mio. Euro bzw. zehn Prozent zu reduzieren.

Der Aufsichtsrat wurde außerdem ermächtigt, auch Änderungen der Satzung, die sich durch diese Einziehung von Aktien ergeben, zu beschließen. Derzeit liegt das Grundkapital der Telekom Austria bei 1,090 Mrd. Euro. (APA)

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