Portrait: Andres Manuel Lopez Obrador: Schillernde Figur der Politszene

25. Mai 2005, 15:51
posten

Machtkampf mit Präsident Vicente Fox

Mexiko/Wien - Andres Manuel Lopez Obrador, der Bürgermeister von Ciudad de Mexiko (Mexiko City), ist eine der schillerndsten Figuren der mexikanischen Politszene. Der Vorsitzende der linken Partei der Demokratischen Revolution (PRD) rückte zuletzt in den Blickpunkt, weil er sich mit dem konservativen Präsidenten Vicente Fox einen Machtkampf lieferte. Bundespräsident Heinz Fischer wird am Montag im Rahmen seines Staatsbesuchs mit beiden Politikern zusammentreffen.

Mit dem Druck der Straße - Hunderttausende demonstrierten für ihn in der Hauptstadt - hat Lopez Obrador vorerst das bessere Ende für sich. Fox von der konservativ-katholischen Partei der Nationalen Aktion (PAN) hatte sich mit der langjährigen Regierungskraft PRI (Partei der Institutionalisierten Revolution) gegen Lopez Obrador verbündet, weil der Bürgermeister der 19-Millionen-Metropole gegen ein Justizurteil den Bau einer Straße durchgesetzt hatte. PRI und PAN wollten jedoch dagegen klagen.

Kavaliersdelikt

Mit einem anhängigen Strafverfahren hätte Lopez Obrador aber nicht bei den Präsidentschaftswahlen im Juli des kommenden Jahres antreten können. Für viele in Mexiko war sein Vergehen ohnehin bloß ein Kavaliersdelikt. Ein Großteil der Gesellschaft witterte zudem eine politische Verschwörung, um den populären Politiker von der Kandidatur für das höchste Amt im Staat fernzuhalten. Nach den Massenprotesten wurde das Verfahren jedoch ausgesetzt.

Die Meinungen über Lopez Obrador sind geteilt. Seine Verehrer sehen in ihm einen selbstlosen Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit und die Verbesserung der Lebensverhältnisse für die Armen. Für seine Gegner ist er ein von Machtgelüsten besessener Populist, der nach den Wahlen von 2006 eine Volksdiktatur ausrufen will. Tatsächlich liebt Lopez Obrador Massenkundgebungen, soferne sie in seinem Sinne stattfinden. Manche mexikanischen Intellektuellen sehen in seinem Hang zum Populismus, seinen antikapitalistischen Sprüchen und seiner Verdammung der Globalisierung bereits linksautoritäre Züge.

1953 geboren wuchs der Politiker im von Erdölvorkommen geprägten Teilstaat Tabasco auf. Trotz bescheidener Herkunft studierte er an der Autonomen Universität der Hauptstadt Mexiko Politologie und Volkswirtschaft. Die Unversidad Autonoma galt lange als Kaderschmiede der PRI, die von 1929 bis zum Jahr 2000 die Machtzügel fest in der Hand hielt.

Seine Politiker-Laufbahn begann er in Tabasco als Leiter eines Instituts zur Förderung der indigenen Bevölkerung. Ab 1984 bekleidete er ein Amt für Konsumentenschutz in der Hauptstadt. 1987 wandte er sich aber von der PRI und gründete mit anderen Renegaten die Partei der Demokratischen Revolution (PRD). Im Jahr 2000 wurde er zum Bürgermeister des über acht Millionen Einwohner zählenden Distrito Federal, der Kernzone der Hauptstadt Mexiko, gewählt.

Viele Feinde verschiedener Couleurs zog er sich vor allem 1994 zu, als er die Gouverneurswahlen von Tabasco gegen einen PRI-Politiker verlor, dies jedoch nicht anerkannte. Aus Protest legte er mit weiteren PRD-Anhängern die Förderung der staatlichen Erdölgesellschaft lahm. Als Bürgermeister ist Lopez Obrador wegen seines spartanischen Lebensstils bekannt: Er kommt um 6.00 Uhr ins Büro, sein Dienstwagen ist ein unscheinbarer Pkw. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Andres Manuel Lopez Obrador will Präsident werden

Share if you care.