Fährentest: Drittel der Testkandidaten hat "Schlagseite"

30. Mai 2005, 14:27
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ÖAMTC testete 30 Fähren in der Ostsee und im Mittelmeer

Wien - Als "herben Rückschlag" bezeichnet ÖAMTC-Experte Willy Matzke das Ergebnis des diesjährigen ÖAMTC-Fährentests. Nach einem erfreulichen Vorjahresergebnis regiere bei den Testkandidaten heuer das Mittelmaß: "Zu wenig, wenn es um die Sicherheit von Menschen geht", kritisiert Matzke. Große Reedereien hätten auf die jahrelangen Tests reagiert und keine gefährlichen Schiffe mehr unter Flagge. Auf nationalen Strecken und bei kleinen Reedereien gebe es aber noch immer zu viele "schwarze Schafe".

Note "Sehr gut" für nur sechs Fähren

Von den 30 getesteten Fähren in der Ostsee und dem Mittelmeer erhielten 13 nur ausreichende oder sogar negative Bewertungen. Die Note "sehr gut" wurde lediglich sechs Mal vergeben, elf Mal wurden die Testkandidaten als "gut" bewertet. "Viele Mittelmeer-Fähren gehen im Vergleich mit den Ostsee-Fähren kläglich unter. Von 22 Fähren im Mittelmeer sind nur neun gut bzw. sehr gut", resümiert der ÖAMTC-Experte.

Tester gehen anonym an Bord

Der Fährentest wird vom ÖAMTC gemeinsam mit seinem Schwesterclub ADAC durchgeführt. Der Bewertung liegt eine Checkliste für Passagierfähren zu Grunde, die beim ersten Fährentest 1997 zusammen mit nautischen Sachverständigen und der EU-Kommission entwickelt und seitdem laufend aktualisiert worden ist. "Das garantiert eine absolut objektive Beurteilung der Schiffe nach neuesten Sicherheitsrichtlinien", sagt Matzke. Die Tester gehen anonym an Bord und machen die Überfahrt als "normale Passagiere" mit.

Was getestet wird

Brandschutz und Rettungsmittel sind die Bereiche, die mit 25 Prozent die höchste Gewichtung im Test haben. Außerdem gehören Sicherheitsinformationen, Konstruktion, Funk sowie Sicherheitsmanagement zu den maßgeblichen Kriterien. Die am häufigsten festgestellten Mängel: Fehlende Schwimmwesten und Rettungsringe, abgeschlossene Notausgänge, offene Autodecks während der Fahrt, blanke Kabel, korrodierte Sprinklerdüsen, Feuerlöschstationen mit brüchigen Schläuchen, blockierte Brandschutztüren und fehlende Sicherheitsinfos für Passagiere.

Seit dem In-Kraft-Treten des ISPS-Codes (International Ship and Port Facility Security) im vergangenen Jahr müssen Häfen und Reedereien den Schutz vor terroristischen Anschlägen gewährleisten. So sind unter anderem Sicherheitsoffiziere und Gefahrenabwehrpläne sowohl für Schiffe als auch für den Hafenbetrieb vorgesehen. Die Auflagen werden aber von den Verantwortlichen nicht mit Nachdruck umgesetzt. "Nur im spanischen Cadiz mussten Passagiere durch ein Sicherheits-Gate. Bei allen anderen Tests war von Terrorschutz nichts zu sehen", kritisiert der ÖAMTC-Experte. (APA)

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