Wie die Wörtherseebühne doch subventioniert wird

31. Mai 2005, 12:14
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724.300 Euro im Kärntner Budget für "Fixkosten"

Klagenfurt - Insgesamt 724.300 Euro sind im Kärntner Budget für das Jahr 2005 an Mitteln für die Wörtherseebühne reserviert. Laut einer Aufstellung der Finanzabteilung des Landes figurieren die Mittel unter dem Titel "Anteil am Betriebsabgang". Die Zahlen wurden dem vom Landtag eingesetzten U-Ausschuss zur Causa Wörtherseebühne übermittelt. Bisherige Gesamtkosten für das Land laut Aufstellung: Vier Millionen Euro. Im Ausschuss wundert man sich über die Zahlen.

Haider: "kein einziger Euro an Steuergeld"

Ein Ausschuss-Mitglied wies darauf hin, dass Landeshauptmann Jörg Haider (B) mehrfach erklärt hätte, in die Seebühne werde in diesem Jahr "kein einziger Euro an Steuergeld" investiert. Bespielt wird die Bühne in diesem Jahr von der "Kultur- und Veranstaltungs GmbH Wörthersee i.G.", als künstlerischer Leiter fungiert der Berliner Gerhard Kämpfe, Gesellschafter ist die Star Entertainment. Wie Haider Anfang März bei der Präsentation des Programms für dieses Jahr in Klagenfurt betonte, übernehme das Land keine Ausfallshaftung für die Festspiele, sei aber an den Einnahmen beteiligt, wenn die Auslastung mehr als 80 Prozent betrage. Man habe ein hochkarätiges Programm, für das man kein Geld aufbringen müsse, unterstrich der Landeshauptmann.

Wo doch Kosten anfallen

Auch wenn für die Produktionen kein Geld investiert wird, kostet die Bühne das Land trotzdem immer noch eine ganze Menge. Allein die Personalkosten der Wörtherseefestspiele GmbH, welche die Bühne weitervermietet, machen laut dem interimistischen Geschäftsführer Werner Bilgram 218.300 Euro aus. Für das laufende Jahr findet sich in der Aufstellung der Finanzabteilung unter dem Titel "Wörthersee-Bühne, Anteil am Betriebsabgang" ein Budgetposten von 233.495,72 Euro.

Insgesamt wurden, wie aus den Unterlagen der Finanzabteilung hervorgeht, vom Land bis dato Verpflichtungen von knapp mehr als vier Millionen Euro für die Seebühne eingegangen. Ausgezahlt wurden 3,662 Millionen, eine bereits bewilligte Subvention in der Höhe von 340.000 Euro ist in der Bilanz 2004 der Bühne bereits inkludiert, die Auszahlung wurde von Haiders Koalitionspartner, SPÖ-LHStv. Peter Ambrozy, aber per Weisung blockiert.

Unabhängig von der Unterstützung der jeweiligen Betreiber gab das Land in den vergangenen vier Jahren auch recht stattliche Summen für auf der Seebühne stattfindende Veranstaltungen aus. Eine Wirtschaftsgala schlug 2001 mit 53.955,33 Euro zu Buche. Die Eintrittskarten für die Seebühne machten dabei 26.468,11 Euro aus. Im Jahr darauf gab es wieder eine Gala, die am 24. und 25. Juli im Rahmen der Musicalaufführung "Falco meets Amadeus" stattfand und für die bereits 167.391 Euro aufgewendet wurden. Die Wirtschaftsgala am 31. Juli 2004, als man zu "Tosca: Amore disperato" lud, kostete 100.000 Euro. Da fallen die Karten für sieben Personen, die der damalige freiheitliche Wirtschafts- und Finanzreferent LHStv. Karl Pfeifenberger geordert hatte und für die die Finanzabeilung 400 Euro bezahlte, nicht wirklich ins Gewicht.

Napetschnig: "allgemeiner politischer Wille"

Die Leiterin der Kulturabteilung des Landes Kärnten, Erika Napetschnig, verteidigte am Mittwoch die Budgetierung damit, dass die Wörtherseebühne "natürlich Fixkosten verursacht". So seien die Leasingraten weiter zu bezahlen. Dies sei auch mit ein Grund, warum die Forderung von SPÖ und ÖVP nach einem "Aussetzen" in der Saison 2005 abgelehnt worden wäre: "Es wäre doch unsinnig gewesen, die Leasingraten für die Bühne zu bezahlen und kein Programm zu spielen". Napetschnig meinte, es sei "allgemeiner politischer Wille" gewesen, dass die Seebühne im Eigentum des Landes bleibe, daher seien auch die Erhaltungskosten zu tragen. Die Kulturabteilungsleiterin wiederholte neuerlich, dass das Festspielprogramm für den kommenden Sommer ohne öffentliche Finanzierung auskomme: "Es ist genau so, wie Landeshauptmann Jörg Haider es gesagt hat."

Die Berliner Star Entertainment hat eine Gesellschaft gegründet, die im Sommer die Bühne mit einem bunten Mix aus Oper und Musical bespielen wird. Den Auftakt macht "Nabucco" am 24. und 25. Juni. Danach geht es weiter mit "Evita" (7.-9. Juli), "Der Watzmann ruft" (15.-17. Juli), "AbbaFever" (21.-24. Juli und 14.,15. August) sowie "The Rocky Horror Show" (29.-31. Juli) und "Carmen" (11.-13. August). (APA)

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