Der Charme des Flaschenklaviers

25. Mai 2005, 14:51
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"Bairischer Sperrmüll" während der Langen Nacht im Haus der Musik

Dass Musik überall ist, darf seit John Cage als wahre, aber schon etwa zum Klischee geschrumpfte Erkenntnis gewertet werden. Was das Instrumentalkabarett "Bairischer Sperrmüll" des Duos Hannesla & Veitl zustande bringt, vermag den Spruch aber wieder lebendig zu machen. Ihre Instrumentalshow lebt von seltsamen Eigenfabrikaten, die schon bei Thomas Gottschalks "Wetten, dass ...?" und Stefan Raabs "TV Total" auch telegen frappiert haben.

Kein Wunder: Haushaltsgegenstände, Baumarktartikel oder auch Autoteile - insgesamt 50 kuriose Klangerzeuger - mutieren bei Hannesla & Veitl zu Instrumenten. Sie heißen Milchkanntarre, Akkuschrauberdrehleier, Schaufelcello, Ofenrohralphorn, Spachtelxylophon oder Flaschenklavier. Auch Staubsauger, Luftpumpen, Gummiabflussreiniger, Kanister und Plastiktuben sind dabei.

Das Repertoire, das geboten wird? Man hört "New York, New York", aber auch Diversestes aus Klassik, Rock und Folklore. Auch im konventionellen Instrumentalbereich bietet das Duo durchaus Unkonventionelles: Eine Sammlung von kuriosen Ziehharmonikas in allen Größen bis zum Rekordformat "Zigarettenschachtel" nennen sie ihr Eigen und zeigen auch so, zu welcher Vielfalt Musik imstande ist.

Es blieb nicht unbemerkt: Hannesla & Veitl sind Preisträger des Tollwood-Künstlerpreises 2003 - und zum ersten Mal in der 14-jährigen Geschichte dieses Wettbewerbs zusätzlich Gewinner des Publikumspreises. Das Fachurteil: "Grundsolides Handwerk, Musikalität und der in hohen Dosen kredenzte bayerische Humor verzahnen sich unaufdringlich zum Gesamtkunstwerk." (tos) Haus der Musik: Lange Nacht der Musik, 18. Juni, 19-1 Uhr, Bairischer Sperrmüll: 22.30-23.30 Uhr (red/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 5. 2005)

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