Galerie der Klangwelten

25. Mai 2005, 14:37
posten

Die "Sonosphere" bietet Hörphänomene und sinnliche Experimente

"Ich geh noch mal in den Mutterleib, kommst du mit?" Diese Frage, von einer Schülerin zur anderen hinübergeworfen, klingt nirgends so alltäglich wie in den Gänge der "Sonosphere". Summen, Brummen, Pfeifen erwarten einen am Eingang des zweiten Stocks im Haus der Musik. Im ersten Raum des durch gewundene Gänge nachgebauten Gehörgangs werden klanglich und auch die Raumtemperatur betreffend pränatale Verhältnisse simuliert.

Ein weißer Lederkubus lädt zum Verweilen ein, der Boden vibriert, schummriges Licht dämpft das Werkzeug des Menschen - das Hirn. Um die Ecke vom Mutterbauch gibt es Fakten über das Ohr, in Portionen eingeteilt: Schallwellen, vom Außenohr eingefangen, über das Trommelfell weitergeleitet an das Innenohr. Hammer, Amboss und Steigbügel . . . Die Idee des interaktiven Museums offenbart sich an den "Terminals", Bildschirmen mit Kopfhörern im Wahrnehmungslabor. Man wird in Hörphänomene wie Dissonanz und Reibung eingeführt. Wusste zum Beispiel jemand, was die Sheperd-Skala ist? Das ständige Übereinanderlegen von vier Oktaven gleichzeitig erlaubt dem Ohr die Illusion einer ewig ansteigenden Tonleiter.

Ein Monochord

Sinnestäuschung ist auch die, im Handyzeitalter häufige, unangenehme Zeitverschiebung. Spricht man ins Mikrofon, wird das Gesagte im Abstand weniger Sekunden wiederholt und sorgt für einen Spagat im Kopf. Vollkommen aus dem Orbit geschleudert wird man im Instrumentarium. Eine Trommelmembran und ein drei Meter langes Monochord rufen Urinstinkte des Draufschlagens wach. Die analoge Klangerzeugung in Rohfassung, auf dumpfes Dröhnen und monotones Anzupfen der Saiten beschränkt, macht klar, woher wir musikalisch kommen. Neue Terminals bieten die Möglichkeit, mit der eigenen Stimme "Klanglandschaften" zu erzeugen. Die ins Mikrofon gesungenen Töne werden am Bildschirm als Klangberge und -täler wiedergegeben.

Auch kann man wählen, ob einem die von einer Flöte erzeugte Berglandschaft oder die durch Babygeschrei einmal spitzen, einmal milden Hügel besser gefallen. Im Stimmenmeer wird der Stimme jeder Laut abgerungen. Durch Bewegung der Hände vor Sensoren hört man Vokale, Konsonanten, Stimmakrobatik. Wem das noch nicht genug an Anregung war, der kann in den Klanggalerien in verschiedene Welten eintauchen - von der U-Bahn in Tokio bis zum Säuseln Jupiters. (Denise Riedlinger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 5. 2005)

  • Die Faszination der Instrumente rührt mitunter auch von ihrer optischen Erscheinung her...
    foto: haus der musik

    Die Faszination der Instrumente rührt mitunter auch von ihrer optischen Erscheinung her...

Share if you care.