Zwischen Partitur und Speisekarte

25. Mai 2005, 14:33
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Auch das Haus der Musik bietet im Mozartjahr 2006 Möglichkeiten, sich dem Jubilar zu nähern: Den Besucher erwarten ein Mozart-Schauraum, Konzerte und Leckerbissen aus dem alten Wien

Wenn sich 2006 der Geburtstag des bekanntesten österreichischen Komponisten zum 250. Mal jährt, ist man in Wien gerüstet: Allein 30 Millionen Euro hat die Stadt zur Verfügung gestellt, um das Jubeljahr würdig zu begehen und um die Einwohnerschaft wie auch die hoffentlich noch üppiger als üblich quellenden Touristenströme mit Mozartischem aller Art zu beglücken: mit Konzerten, Ausstellungen, Performances, Symposien rund um das musikalische Ausnahmetalent.

Nun wird der einzigartige Tonsetzer, der im Lauf der immer marktwirtschaftlicher geprägten Jahre und Jahrhunderte zum produktveredelnden und verkaufsfördernden Namenspaten für Kugeln, Taler, Torten und Kipferl herangezogen wurde, ja gerne in das Klischeebild des kirchenmausarmen Künstlers - zu Lebzeiten verkannt und nach dem Tode gefeiert - gepresst.

Dass dies aber eine teils krasse Fehlzeichnung ist, kann man im Mozart-Raum in der dritten Etage des Hauses der Musik erfahren: Der freischaffende Künstler hat in seinen Wiener Jahren im Schnitt umgerechnet zwischen 45.000 und 135.000 Euro per annum verdient; 1785, in seinem finanziell ertragreichsten Jahr, dürften seine Einkünfte aus Konzertakademien, Unterricht und Komposition etwa 230.000 Euro betragen haben.

"Mein Wunsch und meine Hoffnung ist, mir Ehre, Ruhm und Geld zu machen", schrieb Mozart 1781 an seinen Vater, als er den Dienst beim Salzburger Fürsterzbischof quittiert hatte und in die Kaiserstadt Wien gezogen war. So wie der Lebenskünstler aber zu Geld kam, so gab er es auch wieder aus: "Ich will alles haben, was gut, echt und schön ist", heißt es in einer anderen Stelle seiner Briefe.

Vier Töchter

Bei seiner ersten Wiener Wohnadresse, dem Haus "Zum Auge Gottes" in der Milchstraße/Ecke Tuchlauben, fokussierte sich Mozarts Wollen dann vorrangig auf eine der vier Töchter seiner Logisgeberin Caecilia Weber. Mozart bekam schließlich, was er wollte, und ehelichte Constanze im August 1782 im Wiener Stephansdom. Zwar hatte der Brautwerber seine Auserwählte seinem Vater brieflich als anständig und sparsam ("sie ist nicht zum aufwand geneigt") angepriesen, doch erwies sich seine Frau in finanziellen Dingen als ebenso sorglos und freigeistig wie er selbst.

Als Mozart starb, hinterließ er Constanze zwar ein Vermögen von knapp 600 Gulden, aber leider auch Schulden, die noch um ein Drittel höher waren - die Sperrs-Relation, eine Art Verlassenschaftsaufstellung, die im Mozart-Schauraum abgebildet ist, gibt darüber Auskunft. Die fixe Mozart-Ausstellung im dritten Stock wird im Jahr 2006 durch Exponate des Salzburger Museums Carolino Augusteum ergänzt: So werden originale Mozart-Briefe, Autografe und Bilder aus dem Besitz der Mozart-Familie präsentiert.

Zusätzlich bietet das Haus der Musik im Mozartjahr 2006 noch einen bunten Strauß an Sonderevents an: So kann man selbst zum "virtuellen Dirigenten" werden und die Wiener Philharmoniker eigenhändig anleiten, "Eine kleine Nachtmusik" zu geben, man kann Mozarts Zauberflöte mit eigenen Kompositionseinfällen remixen und das Ergebnis als CD mit nach Hause nehmen; und im neu konzipierten Ausstellungsbereich "Futuresphere" kann Mozart schließlich auch interaktiv interpretiert werden.

Im Innenhof des Palais Erzherzog Karl bietet ein gutes Dutzend Konzerte im Rahmen der "MozartOase" Möglichkeit, dem Trubel und Gelärme des städtischen Alltags zu entfliehen und Ohr und Seele mit Musik zu erfreuen. Junge Künstler aus dem Raum Wien bringen in der vom Wiener Mozartjahr 2006 produzierten Reihe Streichduos, Flöten-und Klaviertrios, Quartette und Quintette von Mozart und Mozart-Zeitgenossen wie Joseph Haydn, Luigi Boccherini und Carl Stamitz zu Gehör.

Kulinarisches

So ist etwa das Naka-Quartett, das erst vor Kurzem im Gläsernen Saal des Musikvereins aufgeigen durfte, mit von der musikalischen Partie. Und auch für den Magen bietet man zum Jubeljahr Freudvolles an: Die im Showroom im Erdgeschoß installierte kleine Sonderausstellung "Essen zu Mozarts Zeit" wird versuchen, einen Einblick in die Küche des Rokoko zu geben. Hier werden Rezepte und Menüs aus Mozarts Zeit vorgestellt.

Einige davon können im hauseigenen Restaurant im obersten Stock auch gleich ausprobiert werden. Und wer auch zu Hause speisen möchte wie einst Wolfgang Amadeus Mozart, dem wird ein Rezept zum Mitnehmen sicher die richtige Anleitung dafür geben.

Die "MozartOasen" finden 2006 am 28. 1., 11. 2., 25. 2., 11. 3., 25. 3., 8. 4., 22. 4., 13. 5., 27. 5. 10. 6., 24. 6. und 8. 7. statt, jeweils um 15 Uhr. (Stefan Ender/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 5. 2005)

  • Im Mozart-Schauraum des Hauses der Musik kann man Leben und Werk des Komponisten kennen lernen, aber auch sehen, wie seine Gemahlin Constanze vielleicht ausgesehen hat
    foto: hendrich

    Im Mozart-Schauraum des Hauses der Musik kann man Leben und Werk des Komponisten kennen lernen, aber auch sehen, wie seine Gemahlin Constanze vielleicht ausgesehen hat

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