Neue Aufgaben für Stöger

30. Mai 2005, 13:52
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Nach dem Kronsteiner-Abgang muss/darf sich der Austria-Trainer verstärkt der Kader­planung widmen - Afolabi bleibt

Wien - Die Vorbereitung der Wiener Austria auf das 272. Derby gegen Rapid am Donnerstag im Happel-Stadion ist wohl nicht ganz im Sinne von Peter Stöger verlaufen. Denn Klub-Mäzen Frank Stronach hatte am Dienstag mit der Beurlaubung von Sportdirektor Günter Kronsteiner nicht nur dafür gesorgt, dass die Veilchen wie so oft abseits des Rasens in die Schlagzeilen kamen, sondern seinem Teammanager damit auch noch zusätzliche Arbeit beschert.

Nicht nur, dass Stöger die sportliche Verantwortung für die Kampfmannschaft trägt, muss sich der Ex-Teamspieler nun auch verstärkt um die Kaderplanung für die Mitte Juli beginnende neue Saison kümmern und nebenbei noch ein Auge auf die Amateure werfen, die um den Aufstieg in die Red-Zac-Liga kämpfen. "Aber wenn man die Möglichkeit bekommt, beim besten Verein Österreichs in so eine Position zu kommen, macht man Kräfte frei, von denen man gar nicht gewusst hat, dass man sie besitzt", erklärte Stöger.

Ob der 39-Jährige in Zukunft Unterstützung etwa in Form eines neuen Sportdirektors erhält, weiß er selbst noch nicht. "Es ist mir auch egal. Ich werde meine Arbeit auf jeden Fall so gut wie möglich erledigen." Über die Entlassung Kronsteiners meinte Stöger: "Er hat sich gestern von uns verabschiedet. Und ich bin überhaupt nicht froh, wenn sich jemand verabschiedet."

Stögers-Zukunft auch nicht geklärt

Mit diversen Abgängen wird sich Stöger bei der Austria aber anfreunden müssen. Abgesehen davon, dass die Zukunft von General Manager Toni Polster weiter ungewiss ist, scheint auch ein Weiterverbleib von Stöger, der einen unbefristeten Vertrag besitzt, noch nicht endgültig fix. "Mein Vertrag wird wohl geändert werden, aber es wird nichts Langfristiges sein. Doch dieses Thema interessiert mich jetzt auch nicht."

Entscheidend sei für ihn derzeit nur das Rapid-Spiel, und da will man dem Erzrivalen die "sportliche Feier vermiesen. Die Mannschaft ist gut drauf und für das Derby gerüstet", meinte Stöger und rechnet nicht mit Auswirkungen der klub-internen Turbulenzen auf die Leistung seiner Kicker. "Die Spieler brennen auf diese Partie, da wird alles andere keine Rolle spielen."

Die Derbys am Donnerstag und am kommenden Mittwoch im Cup-Finale kommen laut Stöger in Anbetracht der momentanen Situation gerade recht. "Gott sei Dank haben wir jetzt zwei tolle Spiele, da braucht man rundherum nicht viel tun", sagte der Austria-Teammanager, der übrigens auch bei der letzten Rapid-Meisterfeier dabei war - damals im grün-weißen Trikot. "Das ist etwas, dass mir niemand nehmen kann. Es ist ja nicht so, dass ich nicht dazu stehe, nur weil ich auf der Austria-Trainerbank sitze", meinte Stöger und erinnerte sich an seine Anfänge bei Rapid, als es "schwierig war, als Erz-Austrianer Fuß zu fassen."

Mit Rapid-Trainer Josef Hickersberger pflegt Stöger ein gutes Verhältnis, auch wenn er dessen Verhalten gegenüber Schiedsrichtern kritisch gegenüber steht. "Wer ihn kennt weiß, dass das zu seinem Spiel gehört, Teil seiner Strategie ist. Ich kann das nicht beeinflussen und werde mich auch nicht einmischen."

Afolabi und Safar verlängern

Von Kompetenz-Gerangel gebeutelt, gab es für die Austria immerhin positive Nachrichten vom Spielersektor. Abwehrsäule Rabiu Afolabi verlängerte seinen Vertrag bis 2008, außerdem segnete Stronach die weitere Verpflichtung von Zweier-Goalie Szabolcs Safar bis 2008 ab, die vom Verein allerdings schon vor dem UEFA-Cup-Viertelfinale gegen FC Parma im April verkündet worden war.

Die Bekanntgabe der Verlängerungen blieb übrigens Stöger vorbehalten. Denn Polster, der wohl zur Kronsteiner-Entlassung einige interessante Wortmeldungen abgegeben hätte, war nicht zur Pressekonferenz im Horr-Stadion erschienen. Zwar stand sein Namensschild zunächst auf dem Pult, wurde dann aber wenige Minuten vor Beginn entfernt. "Er musste kurzfristig einen anderen Termin wahrnehmen", erklärte Manager Markus Kraetschmer.

Fairness für Frank

Kraetschmer bat zudem die Rapid-Fans um Fairness gegenüber Frank Stronach. Der Austria-Mäzen wird in seiner Eigenschaft als Bundesliga-Präsident nach dem Schlusspfiff Steffen Hofmann den Meisterteller übergeben.

"Es war für ihn nie ein Thema, den Teller nicht zu überreichen. Das zeigt von Größe", meinte Kraetschmer. Gleicher Ansicht ist auch Bundesliga-Vize und Mattersburg-Obmann Martin Pucher. "Stronach ist ein fairer Sportsmann. Es war für ihn selbstverständlich, dass er die Schale übergibt", sagte der Burgenländer. (APA/red)

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    Peter Stöger, ein Mann im Schwebezustand.

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