Vom Hinhören zum Zuhören

25. Mai 2005, 15:17
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Ein Gespräch mit Simon K. Posch, Chef des Hauses der Musik, über Zukunftsprojekte wie die geplante Installation "Oper der Zukunft" und kulinarische Erlebnismöglichkeiten im Mozartjahr

Simon K. Posch, Chef des Hauses der Musik, will den Besuchern seines Hauses vertiefende Musikerlebnisse bieten. Ein Gespräch über Zukunftsprojekte wie die geplante Installation "Oper der Zukunft" und kulinarische Erlebnismöglichkeiten im Mozartjahr


"Im Ausland kennt man uns wahrscheinlich besser als hier in Wien!" Simon K. Posch, Jahrgang 1966 und seit zweieinhalb Jahren Direktor des Hauses der Musik, sieht das aber nicht unbedingt als Nachteil an: "Da wir eine Dauerausstellung als fixes Produkt anbieten, sind für die Wienerinnen und Wiener trotz vieler Wiederholungsbesuche vor allem unsere Neuerungen und Veranstaltungen von großem Interesse. Darüber hinaus spielt der touristische Markt natürlich einen große Rolle."

Als gelernter Touristiker ist Simon Posch im Haus der Musik also genau auf dem richtigen Posten: Hotelfachschule in Villach, zwei Jahre Hotelmanagement in San Diego, vier Jahre Marketing für das Büro der Österreich Werbung in Frankfurt und Hamburg, danach Marketing-Chef und Geschäftsführer zweier großer Reisebüros - da sammelt man genug Erfahrung, um eine Touristenattraktion ihrem Publikum nahe zu bringen.

Der Bürgermeister

"In den Hotels liegen unsere Folder auf, auf den Wien-Stadtplänen stellen wir uns in einem Inserat vor, in allen gängigen Wien-Reiseführern sind wir beschrieben, und Journalisten aus aller Welt kommen vorbei. 2004 etwa hatten wir 32 TV-Teams zu Gast, aus England, Russland, Australien und auch Korea. Außerdem sind wir bei den Messen in London und Köln vertreten, und bei der Berliner ITB, wo unser virtueller Dirigent ein Hauptanziehungspunkt des Österreich-Stands war - auch Berlins Oberbürgermeister Wowereit hat den Taktstock geschwungen."

Vorbei sind also die Zeiten, als das Haus der Musik mitunter fälschlich für eine Musikalienhandlung gehalten wurde. Simon Posch schmunzelt: "Die Verkäufer eines Plattengeschäfts in der Kärntner Straße schickten oft Kunden zu uns, die bei uns ein Musikinstrument kaufen wollten."

Die Werbung

Als Posch zum Direktor bestellt wurde, verpasste er daher dem Haus der Musik den Untertitel "Das Klangmuseum". Erfolgreich war auch die Werbelinie mit dem Slogan "Für die, die schon alles gesehen haben", die demnächst, zum 5. Geburtstag des Hauses, durch die Plakatserie "Schicken Sie Ihre Ohren auf Entdeckungsreise" abgelöst werden soll.

Intensiv in den Vorbereitungen steckt Posch für zwei Highlights des nächsten Jahres: die Installation "Oper der Zukunft" und, weil 2006 ein Mozart-Jahr sein wird, eine Ausstellung mit dem Arbeitstitel "Mozart und barocke Genüsse". Simon Posch hebt mit verschwörerischer Miene eine Pappschachtel auf den Schreibtisch; Inhalt: ein "Saltzburgisches Kochbuch" von Conrad Hagger, Erstauflage 1719.

"Das ist ein besonders wertvolles Stück; wir haben es als Leihgabe vom Museum Carolino-Augusteum, und in der Ausstellung wird es das Herzstück sein. Zur Eröffnung bemühe ich mich - wir hoffen, es wird uns gelingen - um Wolfgang Puck, aus Österreich stammender Starkoch in Los Angeles, der live eine barocke Speisenfolge kochen wird, die dann während des gesamten Mozart-Jahrs in unserem Restaurant Cantino angeboten werden wird. Mozarts heiß geliebter Schokoladebrotkuchen darf auch nicht fehlen!"

Zum Kochbuch aus barocker Vergangenheit gesellt sich die abstrakte "Oper der Zukunft", deren Vorhang sich im Mai 2006 in einem derzeit nicht genutzten Raum in der 4. Etage heben wird. "Das Stück wird den Titel "Zeitperlen" tragen, von Wolfgang Mitterer komponiert und interaktiv veränderbar sein. Eine Sopranistin besingt darin ihre Wünsche und Sehnsüchte, die Varianten werden gefilmt und hologrammartig in eine Guckkastenbühne gespiegelt, sodass sich ein dreidimensionaler Eindruck ergibt, für den Zuschauer täuschend echt.

Die Veränderung

Für die Story und das Stage-Design zeichnet Johannes Deutsch verantwortlich, der Ähnliches schon beim Bruckner-Festival 2004 mit dem "Rheingold" gemacht hat: "Weiters verändern sich laufend, je nach den zum Ausdruck gebrachten Gefühlen, die Farben, das geht wellenartig vor sich und bezieht den gesamten Raum mit ein. Ebenso Teil des Künstlerteams ist das Innovationsunternehmen ,Checkpoint media'."

Die Erziehung

Und Posch weiter: "Ein Projekt, das die Kategorie Visionäres bedient, die mir besonders wichtig ist. Wien war ja immer schon eine Stadt der musikalischen Innovationen, denken Sie nur an Johann Strauß, an die Zwölftonmusik oder die Elektronikpioniere der Sechzigerjahre." Selbst kein Musiker, betont Posch auch den erzieherischen Aspekt des Hauses der Musik: "Neben dem Entertainment und Infotainment hat das Edutainment seinen speziellen Stellenwert. Wir empfangen viele Schülergruppen als Besucher und haben für Musikerzieher als Vorbereitung im Unterricht das Arbeitsbuch ,Musik im Spiel' herausgebracht."

Dem Wien-Besucher wolle man im Haus der Musik die Musikstadt näher bringen, Schwellenängste abbauen, und ein paar Aspekte des gewaltigen Themas Musik interessant kommunizieren: "Die Leute sollen zum Hören gebracht werden, vom Hinhören zum Zuhören. Schicken Sie also Ihre Ohren einmal auf Entdeckungsreise!" (Harald Steiner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 5. 2005)

  • Neben Unterhaltung und Information will Simon K. Posch auch Musikerziehung in lockerer Form anbieten
    foto: haus der musik

    Neben Unterhaltung und Information will Simon K. Posch auch Musikerziehung in lockerer Form anbieten

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