Reise zum Mittelpunkt der Klänge

25. Mai 2005, 13:29
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Das Haus der Musik ist eine raffiniert konzipierte Erlebniswelt für Alt und Jung: Auf vier Etagen gibt es den Besuchern die Möglichkeit zu erfahren, wie Klänge wirken und wie man Wissen spielerisch erwerben kann

Mag es auch eine Krise der Tonträgerindustrie geben, mag auch das Fach Musikerziehung in den Schulen einen schweren Stand haben - die Musik als solche scheint eine Art "Grundnahrungsmittel" zu sein, auf das zu verzichten sich nach wie vor kaum jemand vorstellen kann. Dass der Zugang zu diese Kunstform kein starrer sein muss, sondern ein lustvoll-spielerischer sein kann, zeigt das Haus der Musik im Palais Erzherzog Karl, wo einst passenderweise Otto Nicolai, jener Komponist und Dirigent, der 1842 die Wiener Philharmoniker ins Leben rief, gewohnt hat.

Musik ist hier unmittelbares Erlebnis, ist Abenteuer: Die "Sonosphere" im zweiten Stock etwa vermittelt Klangphänomene wie das "pränatale Sinnesrauschen", und in der "Klanggalerie" kann man Geräusche, Stimmen und Töne aus Mikro- und Makrokosmos kennen lernen.

Und wer sich einmal gefragt hat, wie sich eigentlich so ein Dirigent fühlt, wenn er koordinierend und gestaltend vor einem Orchester seine Arbeit verrichtet, auch dem kann geholfen werden. Von den Wiener Philharmonikern und dem kleinen Wunder namens "Virtueller Dirigent". Seine ausgeklügelte Technologie hilft dem Besucher, die auf einer Leinwand sichtbaren Orchestermusiker zu dirigieren.

Das Ganze ist auf witzige Art und Weise interaktiv: Sind die Wiener Philharmoniker mit dem Dirigat zufrieden, loben sie. Sind sie unzufrieden, so haben sie keine Hemmungen, dies auch mit deutlichen Worten zu vermitteln. Auch der Ehrenpräsident des Hauses der Musik, Dirigent Zubin Mehta, konnte da so seine Erfahrungen machen . . .

Hilfreich für die Reise zum Mittelpunkt der Klänge ist auch die "Brain Opera", die zum Austoben einlädt. Die Töne und Stimmungen, die vom Besucher im interaktiven Spiel an den witzigen Hyperinstrumenten des "Mind Forest" durch Bewegung, Berührung und Stimme geschaffen werden, sehen spektakulär aus und haben einen hohen Spiel- und Spaßfaktor. Natürlich wird im Haus der Musik auch Musikgeschichte vermittelt. Das Museum der Wiener Philharmoniker informiert über die Geschichte des Orchesters.

Auch werden von Joseph Haydn bis zu Arnold Schönberg viele in dieser Stadt innovativ tätige historische Figuren nahe gebracht. Man sieht Dokumente, Kostüme, Installationen, persönliche Gegenstände und Partituren - all das eben, was Musikgeschichte ausmacht und bewahrt. (toš/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 5. 2005)

  • Wie im Inneren eines Instrumentes: Das Haus der Musik bietet die Chance, in atmosphärisch starken Räumen Musik unmittelbar zu erfahren
    foto: hendrich

    Wie im Inneren eines Instrumentes: Das Haus der Musik bietet die Chance, in atmosphärisch starken Räumen Musik unmittelbar zu erfahren

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