"Friede - Fortschritt - Frauen"

30. Mai 2005, 11:28
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Jubiläum in Niederösterreich mit Symposium und Ausstellung - Festrednerin Ebadi: Frieden braucht Freiheit und soziale Gerechtigkeit

Eggenburg - Österreichs große Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner steht seit Freitag im Zentrum einer ExpertInnen-Tagung und einer Ausstellung im niederösterreichischen Waldviertel, wo die Familie ihres Mannes einst einen Wohnsitz hatte. Zum Anlass des 100. Jahrestages der Verleihung des Nobelpreises an die Autorin von "Die Waffen nieder!" und in Anwesenheit der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi eröffnete Bundespräsident Heinz Fischer in Eggenburg (Bezirk Horn) ein dreitägiges Symposium zum Thema "Friede - Fortschritt - Frauen", an dem namhafte internationale FriedensforscherInnen teilnehmen. Auf Schloss Harmannsdorf wurde zugleich eine Ausstellung über das Leben und Werk Bertha von Suttners der Öffentlichkeit präsentiert.

Im Namen des Friedens

"Im Namen des Friedens werden inakzeptable Dinge getan", die bis hin zum Krieg führen, sagte Bundespräsident Fischer in seiner Eröffnungsrede. Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Rekordsummen, die im vergangenen Jahr wieder für Rüstungszwecke ausgegeben wurden. Friede sei "nicht selbstverständlich", sagte Fischer. Europa betrachte es als Aufgabe der Zukunft, "die große Friedenszone und die Art seines Denkens auszuweiten".

Ebadi: Soziale Gerechtigkeit

Für die Frauen- und Kinderanwältin Ebadi ist "Frieden nur dann von Dauer, wenn er auf den Säulen von Freiheit und sozialer Gerechtigkeit beruht". Friede sei "ein Fuhrwerk der Zivilisation", das voranschreiten müsse. Zur Stellung der Frau sagte Ebadi, in westlichen Ländern erlebten die an sich gleichberechtigten Frauen durch ihre Doppelbelastung "eine andere Art der Diskriminierung". Zu ihrer Heimat Iran sagte sie, die Frauen litten dort "unter unangemessenen Gesetzen, die ihrem Wert nicht entsprechen". Ursache der Ungleichheit sei nicht der Islam, sondern "das ausgeprägte Patriarchat, das auf einer Stammeskultur beruht".

Der tschechische Vize-Senatspräsident Petr Pithart, einst Unterzeichner der "Charta 77", der CSSR-Bürgerrechtsbewegung, nannte Bertha von Suttners Lebensweg "einen Kampf des starken Willens gegen Vorurteile und fachliche Irrtümer". Sie habe für die Abrüstung gekämpft, sagte Pithart, der die enge persönliche Verbindung zu Alfred Nobel hervorhob, der sein Vermögen auf dem Rüstungssektor gemacht hatte. Der tschechische Politiker wies auch auf die Gefahr des Terrorismus hin; Selbstmordattentäter "sind anonym und auswechselbar" und daher "nicht abrüstbar". Abrüsten bedeute heute vor allem demokratisieren. Potenziellen Terroristen sollte das Motiv für den Hass, der zu ihren Aktionen führe, genommen werden.

Bisher erhielten 11 Frauen den Friedensnobelpreis

Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat nannte es "einen Wink des Schicksals", dass Bertha von Suttner kurz vor dem Attentat von Sarajevo starb und daher den Ausbruch des 1. Weltkrieges nicht mehr erleben musste. Sie erinnerte daran, dass mittlerweile 11 Frauen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurden. Cora Weiss vom Internationalen Bertha von Suttner-Verein in Den Haag beklagte die fortwährende Diskriminierung der Frauen in allen Gesellschaften. Die Führungsqualitäten der Frauen und ihre anderen Talente würden nicht genutzt. Umso wichtiger sei die Friedenserziehung der Jugend.

Auf private Initiative von Universitätsprofessor Erich Glawischnig, dem heutigen Besitzer von Schloss Harmannsdorf, wurde in der Orangerie des Schlosses, wo Bertha von Suttner auch ihr berühmtes Werk "Die Waffen nieder!" schrieb, eine Ausstellung über Leben und Werk der Friedensnobelpreisträgerin gestaltet. Die Schau, unterlegt mit vielen Originaldokumenten, gibt Aufschluss über den Lebensweg Suttners und Alfred Nobels. Die Jugend der Friedenskämpferin aus dem böhmischen Geschlecht Kinsky, ihre Friedensarbeit und ihre Reisen werden ebenso beleuchtet wie ihre Freundschaft mit dem Erfinder des Dynamits, ihr Einsatz für die Juden und andere Minderheiten sowie ihre Kooperation mit Theodor Herzl. (APA)

  • Bertha von Suttner, abgebildet auf dem Buchcover: Die Rebellin, von Christian Götz.
    foto: buchcover/kbv
    Bertha von Suttner, abgebildet auf dem Buchcover: Die Rebellin, von Christian Götz.
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