Rekordwinter mit 48 Lawinentoten

27. Mai 2005, 08:45
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Lawinenpläne werden aktualisiert nach dramatischen Anstieg an Lawinentoten

Wien - 48 Lawinentote und ein durch die Schneemassen leicht beschädigtes Haus - diese Bilanz des vergangenen starken Schneewinters zogen die Österreichische Bergrettung und die Abteilung Wildbach- und Lawinenverbauung im Landwirtschaftsministerium.

Fahren abseits der Piste

"Der dramatische Anstieg an Lawinentoten" von acht im Winter 2003/04 auf 48 in der vergangenen Saison könne jedoch nicht mit den Schneeverhältnissen allein erklärt werden, sagte Klaus Pollak von der Bergrettung. Vielmehr erhöhen eine starke Tendenz zum Fahren abseits der Piste, falsche Einschätzung des Risikos und mangelnde Kenntnisse im Umgang mit Suchgeräten die Gefahr von Unglücken.

Bewusstseinsbildung bei Skifahrern

Der Fokus der zukünftigen Maßnahmen werde deshalb auf der Bewusstseinsbildung bei Skifahrern liegen, vor allem auch mit speziell auf Kinder und Jugendliche abgestimmten Kampagnen, kündigte Pollak an. Das riskante Variantenfahren, also Skifahren in der Nähe der Piste im Tiefschnee, sei wegen verherrlichender Berichte in Fernsehsendern wie MTV oder Eurosport bei Jugendlichen so beliebt - solche Videos bezeichnete der Bergretter als "Massenmord" und "verantwortungslos". Da der Großteil der Verunglückten Urlauber seien, werde zur Informationsverbreitung auch eine Zusammenarbeit mit Tourismusbetrieben, Hoteliers und Skilehrern angestrebt.

Variantenskiläufer seien oft nicht mit den Naturverhältnissen und Risiken im Gelände vertraut, so Pollak weiter. Nur 32 Prozent der von ihnen seien wie vorgeschrieben mit Lawinensuchgerät, Schaufel und Sonde ausgerüstet, und gar nur acht Prozent könnten auch tatsächlich mit dem Equipment einen verschütteten Kameraden orten. Dabei wird dieses Versäumnis auch strafrechtlich verfolgt, wenn ein Kamerad auf Grund des Fehlens der Gerätschaft zu Schaden kommt.

Zu Sachschäden im Siedlungsgebiet ist es trotz vieler Lawinenabgänge und eines "Katastrophenwinters" in der Steiermark und Oberösterreich kaum gekommen. Nur im Salzkammergut wurde durch eine unvorhersehbar große Lawine ein Haus leicht betroffen, sagte Maria Patek, Chefin der Abteilung Wildbach- und Lawinenverbauung. "Im heurigen Winter hat sich besonders gezeigt, dass die Verbauungen wirklich geschützt haben." Zukünftige, bereits genehmigte Projekte für den Lawinenschutz werden in den Orten Sagl in Tirol, Lech und Saalbach verwirklicht.(APA)

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