Gaswerkblues - Teil 2

27. Mai 2005, 15:02
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Es war gestern. Da hat R. erfahren, das sich das Gaswerk so leicht nicht klein kriegen lässt ...

Es war gestern. Da hat R. erfahren, das sich das Gaswerk so leicht nicht klein kriegen lässt. Und eigentlich, meint R., sei das gut so: Schließlich sei die innerbetriebliche Vertrauensbasis zwischen oben und mittelweit unten eine jener Säulen, auf denn das Wohl und Wehe eines Unternehmens ruht.

Dass da nicht sofort jedem Außenstehenden a priori geglaubt wird, meint R., sei eigentlich fein. Prinzipiell. Noch dazu, wenn das Unternehmen irgendwie doch teilöffentlich-halbamtlich ist – und er sich als Steuerzahler und bewusster Bürger in gewisser Weise auch als Mitbesitzer des Werkes sieht. Auch wenn R. nicht so genau weiß, wieso. Dass die internen Glaubensbeharrungssätze in seinem speziellen Fall ein bisserl kafkaesk anmuten, gibt R. aber zu denken: Vielleicht sollte er ja doch seine Position überdenken. Grundsätzlich.

Umwegbeschwerde

Denn – siehe die Stadtgeschichte „Der verleugnete Gaszähler“ vom Dienstag – Wiengas hat reagiert, erzählt R. Zwar nicht, als R. sich beim normalen Kundenservice beschwerte, weil ihm - ohne dass er dafür eine Erlaubnis erteilt hätte – von Wiengas von seinem Konto einfach Geld abgezogen worden sei. Aber immerhin, als er sich über Umwege ein paar Etagen höher aufregte.

Die Leute vom Gaswerk, sagt R., hätten sich sich sogar entschuldigt: Die Sache mit dem Einzug der Ummeldungsgebühr seines Gasanschlusses sei nicht korrekt gewesen. Und sei passiert, weil ein übereifriger Mitarbeiter bei der Suche nach R.s Daten an R.s alter Adresse einen Einziehungsauftrag entdeckt habe. Den habe er halt einfach in den neuen Datensatz hineinkopiert. Ob man ihm das Geld – sechs Euro – zurück überweisen solle? (Er müsse sie aber wieder zahlen, wenn seine Anmeldung durch sei.)

Beharrung

In der zweiten Frage – R. und seine Nachbarin versuchen dem Gasamt seit Wochen klar zu machen, dass ihre beiden Wohnung jeweils einen Strom- und auch jeweils einen Gasanschluss haben – glaubt das Unternehmen aber sich selbst: R. und seine Nachbarin müssten sich irren, setzt man in den höheren Rängen von Wiengas volles Vertrauen in die Kundenbetreuer im Erdgeschoss: Es gäbe nur einen Gasanschluss. Folglich auch nur einen Gaszähler. In einer der beiden Wohnungen werde mit Strom geheizt. Ganz bestimmt.

Er habe, sagt R., an dieser Stelle leise zu weinen begonnen. Aber er habe eigentlich nicht geglaubt, dass der höhere Energiemann das hören würde. Aber der lenkte ein: Vielleicht, bot er R. einen Ausweg an, sei es ja so, dass sich die beiden Wohnungen einen Gasanschluss teilen würden. Das würde das Vorhandensein von zwei Gasthermen (und nur eines Gaszählers) nämlich erklären – auch wenn es unüblich sei. Und sich R. dann wohl mit seiner Nachbarin ausmachen müsse, wer welchen Anteil bezahle.

Berührungskontrolle

Nun, sagt R., habe er erstmals an sich selbst zu zweifeln begonnen – und sei noch während des Telefonates (freilich ohne es dem Wienenergetiker zu verraten) zu den Zählerkästen gegangen: Zwei Kästen. Mit insgesamt zwei Stromzählern und zwei Gaszählern. Auf einem Kasten stand die Nummer seiner Wohnung. Auf dem anderen die der Nachbarin. Er habe, sagt R., beide Gaszähler angegriffen. Nur für den Fall, dass er einer optischen Täuschung aufsäße. Erst dann, sagt R., habe er dem Gasmann gesagt, dass er sich sicher sei. Absolut sicher.

Der Mann vom Gaswerk, erzählt R., habe daraufhin Führungsqualitäten bewiesen. Und einen Ortstermin vereinbart: Ein Mitarbeiter werde am nächsten Tag vorbeischauen. Und die Gaszähler zählen. Er sei, sagt R., zunächst erleichtert gewesen – habe aber dann begonnen, sich Sorgen zu machen: Was, wenn der Zählerzähler aufgrund des amtlichen Nichtvorhandenseins des einen Gaszähler einen Schraubenschlüssel in die Hand nimmt – und jenen Zustand herstellt, der von Amts wegen ohnehin herrscht?

  • Auch als Buch: Die besten Stadtgeschichten aus dem Stadtgeschichten - Archiv - zum Wiederlesen & Weiterschenken.
"Wiener Stadtgeschichten" mit Illustrationen von Andrea Satrapa-Binder, Echomedia Verlag Ges.m.b.H., ISBN 3-901761-29-2, 14,90 Euro.

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  • Von Montag bis Freitag täglich eine Stadtgeschichte
von Thomas Rottenberg

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