"Wer oder was ist Malawi?"

24. Oktober 2006, 13:59
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Mit einem Jugendprojekt macht "Ärzte ohne Grenzen" auf zehn zu den ärmsten zählende Länder aufmerksam, die in den Medien so gut wie nicht vorkommen

Innsbruck - "Wer oder was ist Malawi?", haben 17 Jugendliche der 7a am Franziskanergymnasium in Hall gefragt. Die Antworten reichten von "etwas zu essen" über "eine Nobelpreisträgerin" bis zu "eine afrikanische Seuche". Die richtige Antwort, ein bettelarmes Land im südlichen Afrika, wussten bei der Befragung in einem (weihnachtlichen) Innsbrucker Einkaufszentrum nur die wenigsten.

Die skurrilen Antworten sind Auftakt zu einem Film, den die 7a für das Jugendprojekt von "Ärzte ohne Grenzen" gedreht hat. Am Wettbewerb "Break the Silence" haben sich österreichweit mehr als 1000 Jugendliche mit 39 höchst unterschiedlichen Projekten beteiligt. Eine Präsentationstour ist durch Österreich unterwegs, sie hat Dienstag in Innsbruck Station gemacht und endet am 9. Juni in Wien.

Ausgangspunkt des Projekts war eine Recherche in Österreichs Printmedien. Dabei wurde ein halbes Jahr lang erfasst, wie oft die Länder der Erde genannt worden sind. Die USA kamen als Spitzenreiter 20.094-mal vor, Malawi gerade einmal 38-mal. Dahinter liegen noch einmal gut drei Dutzend Länder, darunter die Demokratische Republik Kongo mit acht und Bangladesh mit fünf Nennungen.

"Kein Zufall", meint Stefan Pleger, Vorstandsmitglied von "Ärzte ohne Grenzen", dass es die ärmsten, meist von humanitären Katastrophen betroffenen Länder sind, die in den Medien kaum vorkommen. Jene zehn "vergessenen Länder", in denen die Organisation tätig ist, wurden für die Kampagne ausgewählt, darunter Malawi und sechs andere afrikanische Staaten, dazu Bangladesh, Inguschetien und Turkmenistan.

Der Film der 7a bleibt nicht beim Unwissen über Malawi stehen, sondern vermittelt dramatische Fakten: Lebenserwartung 38 Jahre, jeder Zehnte der elf Millionen Einwohner ist HIV-positiv, durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen 160 US-Dollar jährlich. Gezeigt werden im Film auch Ausschnitte aus einer von der Klasse veranstalteten Podiumsdiskussion - mit gutem Echo bei der Haller Bevölkerung, aber keinerlei Interesse bei den lokalen Medien. Gestern wurde der Film als bestes Tiroler Projekt ausgezeichnet.

"Meine Sichtweise hat sich stark verändert", sagt Katharina Hölzl und ihr Klassenkollege Florian Schett überlegt nun, nach der Matura seinen Zivildienst im Ausland abzuleisten. Die ganze Klasse habe mitgemacht, freut sich Xenia Stühlinger und meint, dass das möglich war, weil man sich gemeinsam bereits mit Randgruppen und Armut in Österreich beschäftigt hatte.

Den ganzen Tag wurden Schulklassen aus Tirol durch die Ausstellung auf dem Innsbrucker Marktplatz gelotst. Informiert wurde über die Projekte, die zehn "vergessenen Länder" und die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen. Stefan Pleger wünscht sich, die Tour nicht als Abschluss, sondern als Auftakt dafür, das Elend nicht mehr aus dem Blickfeld zu verlieren. (DER STANDARD-Printausgabe, 25.5.2005)

Von Hannes Schlosser

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Break the Silence
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    foto: hannes schlosser
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