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30. Mai 2005, 14:47
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Die Gruppe PIASA versteigerte Kreationen des Designers Paul Poiret

Paris - Typisch für die Pariser kulturhistorischen Reserven war die Auktion vom 10. und 11. Mai im Hôtel Drouot-Richelieu, wo die persönliche Garderobe von Denise Poiret, der Frau des Pariser Avantgarde-Modeschöpfers Paul Poiret, versteigert wurde.

Die Auktionatorengruppe PIASA (Picard, Audap, Vellier, Tessèdre) entdeckte die sorgsam von Denise Poiret und ihren Erben aufbewahrten Kreationen des Moderevolutionärs Poiret. Die Kleidungsstücke, Archivmaterial, Möbel und Parfums wurden in zwei Katalogen erfasst.

Bei der Vorbesichtigung zählte man zirka 8000 Besucher und während der Auktionen war der Saal zum Bersten voll. Sammler, Händler und Museumskuratoren aus den USA und ganz Europa bewilligten gleich ab den ersten Losen häufig das Zehnfache der Schätzpreise.

Das Gesamtergebnis für die beiden Sitzungen beträgt 1,88 Millionen Euro für 532 Lose, die zu 100 Prozent zugeschlagen wurden. Denn mit dem Leben von Paul und Denise Poiret wurde ein Stück französische Kulturgeschichte aufgerollt. Poiret (1879-1944) war nicht nur ein kreativer Geist, Mäzen und Organisator von opulenten Festen, auf denen er seine 1905 geehelichte Frau zum visuellen Mittelpunkt machte.

Er war auch ein kommerziell ideenreicher Geschäftsmann. Neben seinem 1903 eröffneten Haute-Couture-Haus in der Rue du Faubourg Saint-Honoré gründete er die Ecole Martine, wo er junge, kreative Mädchen aufnahm und in allen Techniken der Innendekoration für seine Werkstatt (Atelier Martine) ausbilden ließ.

Vier Stoff- und Tapeten-Entwürfe mit Blumenmotiven erzielten z.B. 4211 Euro (Taxe: 350-400 Euro). Ab 1910 galt Paul Poiret als berühmt und konnte seine Kollektionen weltweit präsentieren. Seine Reisen inspirierten wieder seine Modelle, wie das teuerste Objekt der Auktionen bewies: Ein für eine Marokko-Reise für Denise Poiret hergestellter Automobil-Mantel von 1914 aus einem elfenbeinfarbenen Leinen-Seiden-Gemisch mit tiefblauen Applikationen. Mit 5000 Euro ausgerufen, errang er mit 131.648 Euro den Weltrekord für ein Haute-Couture-Kleidungsstück. Der Modeschöpfer förderte zahlreiche Talente, darunter den damals noch unbekannten Maler Raoul Dufy, indem er ihn mit Stoffentwürfen beauftragte.

Unter den 25 Losen mit Dufy-Stoffmustern erwartete man das Toplos, nämlich den Abendmantel La Perse, der sich aber mit Platz drei und dem Zuschlag von 72.199 Euro zufrieden gab. Auf Rang zwei kam ein Ensemble von 1919, ein Kleid mit passendem Umhang aus schokoladebraunem, besticktem Samt, das für 105.892 Euro wegging. 40.912 Euro lautet der neue Weltrekord für ein Paar Schuhe, speziell für Denise Poiret vom Nizzaer Schuhmacher Perugia (den Poiret ebenfalls lancierte) 1924 hergestellt.

Sechs Silber-Dessertmesser, die Josef Hoffmann 1905 für die regelmäßig von Poiret besuchten Wiener Werkstätten entwarf, wechselten für 8.423 Euro den Besitzer. (Olga Grimm-Weissert, DER STANDARD, Printausgabe vom 25.5.2005)

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