Grüne gehen auf Distanz zur SPD

29. Mai 2005, 13:44
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Vorwürfe gegen Schröder: "Das eigentliche Kalkül der SPD zielt auf eine Große Koalition"

"Keine falsch verstandene Nibelungentreue"

München - Führende Grünen-Politiker haben sich für eine deutlichere Abgrenzung ihrer Partei von der SPD ausgesprochen. "Wir dürfen uns nicht in falsch verstandener Nibelungentreue über den Tod hinaus an dem rot-grünen Projekt festklammern", sagte der verkehrspolitische Sprecher im Bundestag, Albert Schmidt, dem "Münchner Merkur".

Zu glauben, Rot-Grün bekomme bei den Neuwahlen im September eine deutliche Mehrheit, sei "Traumtänzerei", sagte Schmidt. Nach den Wahlniederlagen in den Ländern müsse man zur Kenntnis nehmen, "dass ein Lagerwahlkampf überhaupt keinen Sinn macht".

Der Grünen-Politiker kritisierte zugleich die Strategie der SPD-Spitze, die am Dienstag erklärt hatte, ohne Koalitionsaussage in den Wahlkampf gehen zu wollen: "Das eigentliche Kalkül der SPD zielt auf eine Große Koalition. Man spielt nicht auf Sieg, sondern versucht, als Junior-Partner die Macht zu behalten."

Auch die Grünen-Finanzexpertin und Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag, Christine Scheel, forderte ein "eigenständiges Profil" ihrer Partei. Es sei sinnvoll, ohne Koalitionsaussage zu Gunsten der SPD in den Wahlkampf zu gehen, sagte sie dem Blatt und fügte hinzu: "Es ist wichtig, dass wir sagen, was wir wollen - unabhängig davon, wie die Wahl ausgeht und was andere denken." Auch Scheel zeigte sich skeptisch, ob Rot-Grün im September erneut eine Mehrheit erringen kann. (APA/AP)

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