Roddy Dangerblood der "Dorfpunk"

24. Mai 2005, 20:04
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In seinem autobiografischen Entwicklungsroman reagiert Rocko Schamoni auf die Oral-History-Bücher zum Punk - Lesung

Punk-Rock als Musikstil und provokante Lebenseinstellung "passierte" zwischen 1975 und den frühen 80ern. Mitteleuropäische Landeier kamen für gewöhnlich mit leichter Verspätung auf Sicherheitsnadel und aufmüpfigen Nihilismus. Rocko Schamonis Roman "Dorfpunks" ist im ländlichen Schleswig-Holstein angesiedelt. Zum Geburtstag bekommt er ein Schlagzeug geschenkt, der Lärmterror kann beginnen. Er gründet eine Punkband ("Warhead") und Schamonis Alter Ego legt sich den Kampfnamen Roddy Dangerblood zu.

In der öden Provinztristesse dominiert denn auch Kampf den Alltag - schließlich finden nicht alle Jungs an Punk gefallen. Wüste Schlägereien in der Dorfdisco sowie all die anderen Initiationsrituale, die zur Mann- und Punkwerdung scheinbar dazugehören, werden geschildert, aber nicht verherrlicht. Dass die Punks auch ihre Zündapp-Mopeds auffrisieren oder dem Alkohol bis zur Besinnungslosigkeit zusprechen, ändert wenig an ihrer Außenseiterposition. In diesem autobiografischen Entwicklungsroman mit seinen losen Assoziationsketten reagiert Schamoni (mit bürgerlichem Namen laut Finanzamt Tobias Albrecht) auf die Oral-History-Bücher zum Punk: "Please Kill Me" oder "Verschwende deine Jugend" stellen aber großstädtische Stars in den Mittelpunkt. Auf sehr unterhaltsame Weise erinnert sich Schamoni, heute bekannt als Golden-Pudel-Clubmacher, Disco-Entertainer und Mitglied der Witztruppe Studio Braun, in diesen Anekdoten, an eine "gewöhnliche" Sturm-und-Drang-Rotzlöffelzeit. (dog/DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.05.2005)

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