Temelin-Ausbau für Tschechiens Behörden denkbar

28. Mai 2005, 10:59
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Vize-Industrieminister hält Bau von zwei 1500-Megawatt-Reaktoren für nötig

Prag - Ein möglicher Ausbau des umstrittenen südböhmischen Atomkraftwerks Temelin gehört laut Prager Medienberichten zu den Zukunftsstrategien des tschechischen Industrieministeriums. Die Erweiterung der grenznahen Anlage von bisher zwei auf vier Blöcke sei laut Vize-Industrieminister Martin Pecina eine von mehreren Varianten, um den künftigen Energiebedarf des Landes zu decken, berichtete der Rundfunk am Dienstag.

Im Unterschied zu den beiden derzeitigen 1000-Megawatt-Blöcken in Temelin halte Pecina in diesem Fall jedoch den Bau von zwei 1500-Megawatt-Reaktoren für nötig. Dazu wäre laut Pecina eine fünfjährige Planungszeit nötig.

Zukunft der Kohle ungewiss

Das Ministerium betone, dass Temelin ursprünglich für vier Blöcke konzipiert worden sei, hieß es. Zu den Erwägungen habe beigetragen, dass Tschechien aus erneuerbaren Quellen weniger Energie als geplant gewonnen habe. Zudem sei die Zukunft der Kohleförderung ungewiss. Im vergangenen Jahr kamen rund 31 Prozent der tschechischen Energie aus den AKW Temelin und Dukovany sowie etwa 60 Prozent aus Braunkohle.

Temelin steht etwa 230 Kilometer nordöstlich von München und rund 100 Kilometer nördlich von Linz. Seit Inbetriebnahme der Anlage vor fast fünf Jahren gab es bereits 76 Defekte. Temelin-Gegner halten das AKW daher für technisch unzuverlässig. Die Linzer Organisation "atomstopp_atomkraftfrei" kritisierten auch die Aussagen Pecinas. (APA/dpa)

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