Elmar Fischer: Konservativer Bergfex erklimmt Bischofsstuhl

25. Mai 2005, 16:07
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Sein Vorgänger Klaus Küng nannte ihn stets den "Treuesten unter der Treuen". 15 Jahre fühlte sich Elmar Fischer in der Rolle des getreuen Dieners seines Herrn durchaus wohl - abseits des Rampenlichts, aber dennoch mit generalvikarischer Macht ausgestattet. Mit der päpstlichen Abberufung von Klaus Küng nach St. Pölten sollte sich dies aber ändern. Der 68-jährige Geistliche und ausgebildete Psychotherapeut wurde während der Sedisvakanz mit den operativen Geschäften in der Diözese Vorarlberg betraut.

Die dreivierteljährige "Bewährungsfrist" verlief offensichtlich zur römischen Zufriedenheit, am Dienstag verließ der als konservativ geltende Gottesmann mit der Bischofsernennung endgültig die zweite Reihe.

Einen Karrieresprung, den der passionierte Bergsteiger und Skitourengeher eigentlich nie so recht wollte. Als sein Name im Rennen um die Nachfolge für den verwaisten Bischofsstuhl im Ländle vermehrt ins Spiel kam, zeigte sich der sportliche "Durch-und-durch-Vorarlberger" (Fischer) nur bedingt erfreut. "Wer die Aufgaben eines Bischofs kennt, wird sich da sehr zurückhalten. Aber nachdem ich diesen Beruf gewählt habe, muss ich letztlich auch für so etwas bereit sein."

Mit Spannung wird unter anderem in der Diözese erwartet, wie der neue Bischof - seit 1990 auch päpstlicher Ehrenprälat - in Zukunft dem Ruf seiner geliebten Berge nachkommen wird können. Bis dato war der priesterfreie Montag stets jener Tag, an dem Fischer ausnahmslos in den Bergen zu finden war. Auch den Tag vor seinem ersten öffentlichen Auftritt als neuer Bischof verbrachte der 1936 in Feldkirch-Tisis geborene Fischer in der ruhigen Bergwelt Vorarlbergs.

In der Öffentlichkeit ist Bischof Fischer ein fast unbeschriebenes Blatt. Österreichweite Schlagzeilen machte er nur einmal: 1996 erlangte der damalige Generalvikar mit viel kritisierten Theorien zum Thema Homosexualität ungewollte Medienpräsenz. In einem an alle katholischen Pfarrämter der Diözese Feldkirch versendeten Brief publizierte Fischer unter anderem, dass "gewisse geistige Störungen" unter Homosexuellen häufiger vorkommen.

Fischer führte in dem Rundschreiben weiter an, dass "28 Prozent der Homosexuellen mehr als 1000 Sexualpartner hätten" und auch der Kindesmissbrauch bei Schwulen ein "besonderes Problem" sei. Nach einer Flut von Protesten musste sich Fischer schriftlich für seine Aussagen entschuldigen.

Von 1970 bis 1982 war Elmar Fischer Rektor des diözesanen Studieninternats Marianum in Bregenz, von 1974 bis 1990 zusätzlich Direktor der diözesanen Lehranstalt für Ehe-, Familien- und Lebensberater. Im Jahr 1989 trat Fischer seinen Dienst als Generalvikar an. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, Print, 25./26.5.2005)

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