Alice Schwarzer: Kanzlerin längst überfällig

30. Mai 2005, 13:10
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Angela Merkl könnte erste Kanzlerin der deutschen Geschichte werden

Köln - Die Publizistin und Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hält eine Kanzlerin in Deutschland nach mehr als einem halben Jahrhundert für längst "überfällig". "Doch ich glaube keineswegs, dass wir deswegen schon automatisch ein 'Frauenparadies' bekommen", erklärte die Herausgeberin der Zeitschrift "Emma" am Dienstag mit Blick auf die erwartete Kanzlerkandidatur von CDU-Chefin Angela Merkel.

Spitzenpolitikerinnen würden bei ihrem mühsamen Marsch durch die Männerparteien gemeinhin die anderen Frauen vergessen, betonte Schwarzer. Es liege an den Wählerinnen, sie mit Nachdruck daran zu erinnern.

Schwarzer hatte sich in den vergangenen Jahren in Interviews bereits mehrfach lobend über Merkel geäußert. Sie sei klug und tüchtig und habe sich zwischen den Männerseilschaften ihren Platz erobert. Schon vor vier Jahren hielt Schwarzer die ostdeutsche CDU-Politikerin für die ideale Kanzlerkandidatin der Union. "Dann muss nicht nur Schröder sich warm anziehen", schrieb sie damals in einem "Focus"-Beitrag.

Merkel wäre erste Kanzlerin in der deutschen Geschichte

"Die Zeit ist reif für eine Frau", so hießen schon Slogans bei der Bundespräsidentenwahl in Deutschland im vergangenen Jahr. Durchsetzen konnte sich die SPD-Kandidatin Gesine Schwan jedoch nicht. Sollte es mit CDU-Chefin Angela Merkel im Herbst eine Bundeskanzlerin geben, wäre das für Deutschland eine Sensation. Dabei sind in anderen Ländern - vor allem in Asien - Frauen in Regierungsverantwortung durchaus nicht unüblich. Im Folgenden die derzeit weltweit amtierenden Staats- und Regierungschefinnen:

Finnland: Tarja Halonen wurde im März 2000 das erste weibliche Staatsoberhaupt von Finnland. Zuvor war sie Außenministerin. Die 61-Jährige kündigte erst in der vergangenen Woche an, bei der Präsidentschaftswahl 2006 erneut anzutreten. Die aus der Gewerkschaftsbewegung kommende Juristin gilt als haushohe Favoritin.

Irland: In Irland ist Mary McAleese seit November 1997 Präsidentin. Sie löste Mary Robinson ab. Es war das erste Mal in der Geschichte, dass eine Frau einer Frau als gewählte Präsidentin nachfolgte. Die gelernte Anwältin und Journalistin ist 53 Jahre alt. 2004 wurde sie in ihrem Amt bestätigt.

Lettland: In Lettland ist Präsidentin Vaira Vike-Freiberga seit Juli 1999 im Amt. Im Juni 2003 wurde die 67-Jährige - eine klare Befürworterin des EU-Beitritts - wiedergewählt.

Neuseeland: In Neuseeland ist Helen Clark seit Dezember 1999 Regierungschefin. Die 55-Jährige hatte vor ihrer Wahl bereits mehrere Ministerämter inne.

Philippinen: Auf den Philippen ist seit Jänner 2001 Gloria Arroyo als Staats- und Regierungschefin im Amt. Zuvor war die Tochter des früheren Präsidenten Diosdado Macapagal seit Mai 1998 Vizepräsidentin. Ende Juli 2003 überstand Arroyo einen Putschversuch junger Militärs. Im Mai 2004 wurde die 58-Jährige wiedergewählt.

Sri Lanka: Auf Sri Lanka ist Chandrika Bandaranaike Kumaratunga seit 1994 das erste weibliche Staatsoberhaupt ihres Landes. Zuvor war die 59-Jährige bereits Premierministerin.

Bangladesch: In Banladesch regiert seit Oktober 2001 Khaleda Zia. Die 59-Jährige war bereits von 1991 bis 1996 Regierungschefin. Im Parlament des südasiatischen Landes sind 30 der 330 Sitze für Frauen reserviert. (APA/AFP)

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