Zelt in Burgtheater-Nähe dringend gesucht!

24. Mai 2005, 18:41
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Neue Pläne rund um das Menasse-Stück "Das Paradies der Ungeliebten": Eine Art Anti-Burgtheater in einem Zelt oder auf einer Pawlatschen

Wien - Kaum sind die Wortfetzen im Uraufführungsstreit zwischen Autor Robert Menasse und Burgtheaterdirektor Klaus Bachler unschön verklungen, zeichnen sich neue Projektumrisse für Menasses geheimnisumwitterte Politparabel "Das Paradies der Ungeliebten" ab. Menasse plant, das vorderhand streng unter Verschluss gehaltene Stück an ein Konsortium aus freien Theatergruppen auszuhändigen, die in einem "Zelt oder auf einer Pawlatschen eine Art Anti-Burgtheater errichten" (so der Autor).

Die denkwürdige Unternehmung soll womöglich in Rufweite des Hauses am Ring stattfinden: als erztönender Posaunenstoß, als Enttäuschungsfanfare an einen von Menasse mittlerweile als "notorischen Lügner" gebrandmarkten Burgherrn.

Der Schriftsteller folgt damit einer Idee des Suhrkamp-Theaterverlages: Der war nach der dankenden Zurücklegung der Politgroteske durch die Burg seinerseits aktiv tätig geworden. Menasse fasst die ersten Bemühungen wie folgt zusammen: "Es gibt ein lebhaftes Interesse von Wiener Mittel-und Kleintheatern an dem Text. Warum soll man da nicht Synergien schaffen?"

Die Wiener Regisseurin Sabine Mitterecker, nach wie vor Menasses Wunschlösung als Uraufführungsregisseurin, sekundiert - mit einer bezeichnenden Einschränkung: "Man muss sehr genau überlegen, wie das gehen soll. Beteiligt man Mittelbühnen oder Vier-Jahres-Subventionsempfänger, so verfügen die nicht über unbeschränkte Geldmittel. Interessiert man ein paar ,Freie' für Das Paradies der Ungeliebten, so werden die ihre eigenen Vorstellungen in Sachen Regie haben."

Damit ist die Causa sozusagen Chefsachen-reif. Vorgestern, Montag, wurde Kulturstadtrat Andreas Mailarth-Pokorny (SP) mit dem Produktionsvorhaben befasst. Theaterpraktikerinnen wie Mitterecker veranschlagen die Kosten für ein Zeltprojekt mit 120.000 bis 150.000 Euro: "Und selbst dabei muss man die Technik aus irgendeiner Konkursmasse nehmen!" Da das Stückpersonal Ähnlichkeiten mit einer gewissen schwarz-blauen Regierung aufweist, dürfte das Interesse der Wiener Kulturverweser noch einige Zeit anhalten. (DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.05.2005)

Von Ronald Pohl
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    Eine mobile Zelt-Einheit vors Burgtheater?

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