Rollende „Höllen-Omas“

27. Mai 2005, 16:49
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In Großbritannien gefährden immer mehr ältere Gehbehinderte mit ihren motorisierten Rollstühlen andere Verkehrsteilnehmer

London – Monty Pythons gewalttätige „Rocker-Omas“ (gedacht als Satire auf die Vorurteile gegen Jugendliche) sind Realität geworden: „Höllen- Omas“, wie sie die britische Presse nennt, „rasen“ mit ihren elektrisch betriebenen Rollstühlen auf den Gehwegen und gefährden Fußgänger.

Acht Tote

„Rasen“ heißt dabei zwar nur 13 km/h Höchstgeschwindigkeit, dennoch: Bei Unfällen mit motorisierten Rollstühlen kamen einem Bericht der BBC zufolge im vergangenen Jahr in Großbritannien acht Menschen ums Leben, mehr als 1100 wurden teils schwer verletzt. Natürlich sind es nicht nur Frauen, auch Männer bringen mit derlei Rowdytum alle Gehbehinderten in Verruf.

Einige schaffen es (selbstverständlich verbotenerweise) bis auf die Autobahn, andere ignorieren einfach Tempolimits. Die meisten Rollstuhlmodelle sind mit einem Schalter für die auf Gehsteigen vorgeschriebenen sechs km/h ausgerüstet, eine betagte Fahrerin verriet in einem Interview, sie wisse gar nicht, wozu dieser Knopf diene.

Rollstuhl verbrannt

In Manchester fuhr ein Rollstuhl- Rowdy ein zweijähriges Mädchen nieder. Die Kleine erlitt schwere Kopfverletzungen, der Behinderte beging Fahrerflucht. Offensichtlich wusste er, was er angestellt hatte, wenige Tage danach wurde das abgefackelte Wrack seines Gefährts entdeckt. Der Rechtsstatus der Rollstühle mit Motor ist problematisch. Sie sind als Krankenfahrzeuge eingestuft und damit ohne Führerschein zu fahren.

Nach Ansicht von Bob Russell, Verkehrsexperte der oppositionellen Liberaldemokraten, muss schnell ein Gesetz zu Training, Wartung und Versicherung geschaffen werden. (Ines Suchomel, dpa, DER STANDARD Printausgabe, 25.05.2005))

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