Rauchen macht süchtig wie Kokain

30. Mai 2005, 14:07
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Enormes Abhängigkeits-Potenzial von Nikotin - 55 Prozent der österreichischen Raucher unzufrieden - Hohe Erfolgsraten bei Therapie

Grado - Das Nikotin ist stark süchtig machend: Das Abhängigkeitspotenzial entspricht jenem von Kokain und ist drei Mal stärker als beim Alkohol. 2,3 Millionen Österreicher greifen immer noch zum Glimmstängel - 55 Prozent allerdings wollen das eigentlich nicht, 18 Prozent oder 414.000 Personen würden gerne überhaupt mit dem Rauchen aufhören. So bilanzierten Fachleute bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado (22. bis 28. Mai)- und folgerten: Allen Tabakkonsumenten sollte die Möglichkeit für eine "Entwöhnung" geboten werden.

"Wir wissen, dass 45 Prozent der 14-jährigen Mädchen und 43 Prozent der 14-jährigen Burschen zumindest schon einmal geraucht haben. Das ist eine exorbitante Zahl", sagte Dr. Irmgard Homeier, Oberärztin an der II. Internen Lungenabteilung am Otto-Wagner-Spital in Wien bei einem Pressegespräch aus Anlass des Kongresses.

Insgesamt haben in Österreich bereits rund 1.000 Ärzte ein Basisseminar für die Raucherentwöhnung in der Praxis absolviert. Mehr als 100 Ärzte sind für eine derartige Behandlung auch schon zertifiziert. Die Expertin: "Die WHO empfiehlt, dass es für die Raucherentwöhnung spezielle Programme geben soll. Sie sollen außerhalb der normalen Arbeitszeit des niedergelassenen Arztes (Ordination, Anm.) ablaufen. Das ist auch ein Appell an die Krankenkassen, dafür zu zahlen. Derzeit ist es im ambulanten Bereich in Österreich so, dass die Leistung für die Raucherentwöhnung nicht honoriert wird."

Hohe Erfolgsraten bei Therapie

Die Erfolgsraten bei entsprechenden Programmen sind relativ hoch. Unmittelbar nach einer neunwöchigen Therapie sind 33,8 Prozent der ehemaligen Glimmstängelanhänger rauchfrei. Unter Verwendung eines Nikotinpflasters sind es dann 48 Prozent. Ein Anteil von Tabakabstinenz von 60 Prozent wird unter Verwendung des Antidepressivums Zyban erreicht. Werden Nikotinpflaster und das Antidepressivum kombiniert, sind es schließlich 66 Prozent.

Dem stehen allerdings geringere Erfolgsraten ein Jahr nach der Therapie gegenüber. Der oberösterreichische Experte Dr. Alfred Lichtenschopf vom Rehabilitationszentrum der PVA in Weyer an der Enns: "Hört jemand ohne jede Hilfe mit dem Rauchen auf, sind ein Jahr später drei bis fünf Prozent rauchfrei. In der ambulanten Behandlung sind es etwa 20 Prozent. Wir haben nach einer stationären Entwöhnungstherapie nach einem Jahr nachgefragt. Hier betrug die Erfolgsrate immerhin 33 Prozent. 20 Prozent haben das Rauchen reduziert."

Rückfälle sind - wie bei allen chronischen Erkrankungen - kein Fehlschlag sondern gehören im Grunde genommen dazu. Dr. Irmgard Homeier: "Das ist eine chronische Erkrankung, bei der ein Rückfall normal ist."

Die österreichischen Lungenfachärzte haben in der Gesellschaft für Pneumologie entsprechende standardisierte Programme für die ambulante Versorgung von Rauchern entwickelt. Man will sich zunächst auf jene Tabakkonsumenten konzentrieren, bei denen eine deutliche Abhängigkeit besteht. Das sind etwa 200.000 Raucher.

Raucherentwöhnung: Rund 45 Euro pro Sitzung

Hier gibt es auch Kostenberechnungen. So sollten für eine Raucherentwöhnung mit fünf "Sitzungen" 225 Euro bezahlt werden, das wären pro Sitzung 45 Euro. Man will Gesundheits- und Finanzpolitik für eine Drittellösung gewinnen: Ein Drittel vom Raucher, ein Drittel vom Finanzminister aus einem Anteil der Tabaksteuer und ein Drittel von den Krankenkassen, die auch ein erhebliches Interesse an der Verminderung von Raucherschäden haben müssten. Auf Seiten des Finanzministers könnte das ein halber Cent pro Packung von der Tabaksteuer sein. Das wären 3,5 Millionen Euro. Lichtenschopf: "Damit könnten mit insgesamt 10,5 Millionen Euro pro Jahr 40.000 Raucher behandelt werden, also zehn bis 20 Prozent der hoch gefährdeten Raucher." (APA)

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