Salzburg: Olympisches Feuer ist am Erlöschen

25. Mai 2005, 17:17
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Kontrollamtskritik und erfolglose Suche nach Areal für Olympisches Dorf machen Winterspiele 2014 unwahrscheinlicher

Salzburg - Geht es nach der Salzburger Lokalausgabe der Kronen-Zeitung ist die Sache ohnehin längst gelaufen: Die Zeitung schreibt bereits vom "endgültigen Todesstoß für die Winterspiele 2014 in Salzburg." Gemeint ist damit freilich nicht der am Montag bekannt gewordene Kontrollamtsbericht, in dem massive Kritik an der gescheiterten Bewerbung für die Winterspiele 2010 geübt wird, sondern die erfolglose Suche der Olympiawerber nach einem potenziellen Standort für das Olympische Dorf.

Wenig Erfolg

Das vom Bürgermeister der Landeshauptstadt Salzburg, Heinz Schaden (SP), vorgeschlagene Gelände der Rainerkaserne in der Flachgauer Gemeinde Elsbethen steht seit einigen Tagen nicht mehr zur Disposition. Die Gemeindevertretung von Elsbethen hat Schadens Pläne einstimmig abgelehnt, weil sich bei der Volksbefragung Anfang April eine deutliche Mehrheit der Elsbethener gegen eine Bewerbung 2014 ausgesprochen hatten. Die Suche nach anderen Flächen für das Olympische Dorf ist bis dato wenig erfolgreich verlaufen.

Aber auch die Politik der Bundesregierung macht es für die Salzburger Olympiaparteien SPÖ und ÖVP nicht einfacher. Nach der deutlichen Ablehnung (rund 60 Prozent) einer dritten Olympiakandidatur in der Landeshauptstadt, wollte Schaden, Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) und VP-Obmann Wilfried Haslauer den Salzburgern Olympia mit Finanzgarantien des Bundes doch noch schmackhaft machen. Auch hier blieb man erfolglos. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sagte zwar die Unterstützung einer neuerlichen Bewerbung zu, Ausfallshaftungen hat der Bund bisher freilich noch keine übernommen.

"Satte Gagen"

Und schließlich der Kontrollamtsbericht über die gescheiterte Bewerbung 2010: Auch wenn Schaden versucht, die Kritik der Kontrollbehörde an den hohen Gagen für die Olympiabotschafter (415.000 Euro) Toni Sailer, Hermann Maier, Annemarie Moser-Pöll und Co oder an den Kosten für eine einzige Pressekonferenz (56.000 Euro) als nicht so gravierend darzustellen, die öffentliche Wahrnehmung ist eine andere: Schlagzeilen der Marke "Satte Gagen der Olympiawerber" wie in der Lokalbeilage der Salzburger Nachrichten sind nicht gerade angetan, um die ohnehin olympiakritischen Stadt-Salzburger doch noch für die Spiele zu begeistern.

"Die Salzburger Bevölkerung will keine neue Bewerbung", stellt der Klubobmann der Bürgerliste im Gemeinderat Helmut Hüttinger trocken fest. Auch der bisher als Olympiabefürworter auftretende FP-Landesparteiobmann Karl Schnell kann sich der negativen Stimmung nicht länger entziehen. Schnell fordert "den Selbstbedienungsladen Olympia" endgültig zu schließen und die Bewerbung für 2014 abzusagen. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe, 25.05.2005)

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