Menschenrechtsgericht prüft Klage gegen Malta wegen "Sexismus"

27. Mai 2005, 14:30
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Kleinstaat wählt fast nur Männer als Geschworene - "Traditionsgemäß" nur rund drei Prozent der Geschworenen Frauen

Straßburg - Ein kurioser Sexismus-Vorwurf gegen Malta beschäftigt den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Die sieben Richter einer Kleinen Kammer prüften am Dienstag die Klage eines Professors für Pharmazie, der der maltesischen Justiz vorwirft, fast ausschließlich Männer als Geschworene bei Strafprozessen zu berufen. Der Beschwerde zufolge sind in dem rund 372.000 Einwohner zählenden Zwergsstaat "traditionsgemäß" nur rund drei Prozent der Geschworenen Frauen. Damit hätten vor allem die Männer die Last dieser Aufgabe zu tragen, argumentierte der Kläger. Diese Praxis sei "sexistisch".

"Moralische Bürde"

Der Professor wurde von 1971 bis 1997 drei Mal als Geschworener zu Strafprozessen gerufen. Die vierte Aufforderung lehnte er mit dem Argument ab, die langwierigigen Gerichtsverhandlungen seien schlecht mit seiner Arbeit an der maltesischen Universität zu vereinbaren. Außerdem sei es eine "moralische Bürde", über Schuld oder Unschuld von Angeklagten zu entscheiden. Wegen seiner Weigerung wurde der Mann zu einem Bußgeld von 240 Euro verurteilt. Seine Proteste vor der maltesischen Justiz blieben erfolglos.

In seiner Klage vor dem Straßburger Gerichtshof macht der Professor Verstöße gegen die Europäische Menschenrechtskonvention geltend, die Diskriminierung und "Zwangsarbeit" verbietet. Das Urteil wird in einigen Monaten erwartet. (APA)

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