Später Rechtsstreit um VW-Logo

25. Mai 2005, 14:22
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85-jähriger Tiroler will das weltberühmte Logo von Volkswagen er­fun­den haben und klagt auf "Feststellung der historischen Wahrheit"

Wien - Ein ungewöhnlicher Rechtsstreit ist am Wiener Handelsgericht anhängig: Ein 85-jähriger Tiroler behauptet, im Jahr 1939 Vorentwürfe für das weltberühmte VW-Logo kreiert zu haben.

Er habe als junger Grafiker vom damaligen Reichsarbeitsminister und Inspekteur für das deutsche Straßenwesen, Fritz Todt, den Auftrag erhalten, für die im Bau befindlichen Volkswagenwerke ein Logo zu schaffen, legt Nikolai Borg in seiner Feststellungsklage dar. Am Mittwoch hätte es in dieser Sache einen ersten Gerichtstermin geben sollen. Dieser musste jedoch kurzfristig abgesagt werden.

"Mein Mandant ist schwer herzkrank und hat sich in Spitalsbehandlung begeben. Er soll jetzt einen Herzschrittmacher bekommen", sagte sein Anwalt Meinhard Ciresa am Dienstag im Gespräch mit der APA.

Kaum Chancen auf außergerichtliche Einigung

Der Urheberrechtsexperte hofft, dass im Juli, spätestens im September verhandelt werden kann, zumal er kaum mehr Chancen für eine außergerichtliche Einigung sieht: "Man hat Herrn Borg Ende Jänner ein Treffen mit dem Unternehmenshistoriker in Wolfsburg angeboten. Er war damit einverstanden. Seither warten wir auf eine Reaktion".

Dem 85-Jährigen gehe es nicht um Geld, sondern um Anerkennung, betont sein Anwalt: "Sein Herzenswunsch ist die Feststellung der historischen Wahrheit. Daher haben wir auch keinen einzigen Euro eingeklagt."

In der Klage heißt es wörtlich: "Da ich nun mittlerweile 85 Jahre alt bin, bin ich genötigt, vor meinem Lebensende die gerichtliche Feststellung meiner Urheberschaft am Ur-VW-Logo durchzusetzen, um der historischen Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen."

Fertigstellung erst nach dem "Endsieg"

Der Tiroler deutsch-schwedischer Abstammung will seinerzeit auf den Auftrag des NS-Regimes hin mehrere Entwürfe mit einem "W" und einem darüber positionierten "V" angefertigt haben.

Er habe diese Entwürfe auch abgeschickt, sei in einem Antwortschreiben von den Volkswagenwerken aber vertröstet worden: Die Fertigstellung verschiebe sich bis zum "Endsieg". 1943 habe er sein Logo dann zufällig an einem Kübelfahrzeug der deutschen Wehrmacht entdeckt, behauptet Nikolai Borg.

VW hält dem entgegen, der wahre Urheber des gegenständlichen Logos sei nicht bekannt, man habe es von Porsche übernommen. Borg will in dem Verfahren allerdings Kartonkärtchen mit seinen alten Entwürfen vorlegen, die wie durch ein Wunder die Kriegszeit in Berlin unbeschadet überstanden haben.

Er habe sie nach seiner Kriegsgefangenschaft in den fünfziger Jahren im Zuge einer "Spurensuche" wieder gefunden.

Borg möchte mit seiner Klage letzten Endes eine gemeinsame Presseerklärung mit VW erwirken, aus der hervorgeht, dass er am markanten Logo mitgewirkt hat. Das Angebot, seine Klage ins Firmenarchiv aufzunehmen, sei ihm zu wenig, erklärte sein Rechtsbeistand abschließend. (APA)

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