Wiederbelebung der "Union des Arabischen Maghreb" gescheitert

27. Mai 2005, 14:16
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Marokkanischer König sagte Teilnahme an erstem Treffen seit über zehn Jahren wegen Westsahara-Konflikt ab

Tripolis/Rabat - Ein mit Spannung erwartetes Gipfeltreffen nordafrikanischer Staaten ist nach inoffiziellen Berichten im letzten Augenblick abgesagt worden. Der für Mittwoch und Donnerstag in Tripolis geplante Maghreb-Gipfel sei auf unbestimmte Zeit verschoben worden, verlautete am Dienstag aus unterrichteten Kreisen in der libyschen Hauptstadt. Hintergrund ist der Konflikt um die von Marokko besetzte (vormals spanische) Westsahara. Die libysche Regierung bestätigte die Verschiebung zunächst nicht.

Überraschende Absage des marokkanischen Königs

Der erste Gipfel seit über zehn Jahren sollte die erstarrte "Union des Arabischen Maghreb" (UAM) wiederbeleben. Mit der 1989 geschaffenen UAM wollten Marokko, Algerien, Mauretanien, Tunesien und Libyen die wirtschaftliche Integration vorantreiben und Nordafrika zu mehr Stabilität verhelfen. Der Konflikt um die Westsahara verurteilte die Union aber von Anfang an zur Untätigkeit. In letzter Zeit zeichnete sich allerdings eine Entspannung zwischen Marokko und Algerien ab. Zwei Tage vor dem geplanten Gipfel sagte jedoch der marokkanische König Mohammed VI. überraschend seine Teilnahme ab. Rabat begründete dies damit, dass Algerien seine Unterstützung für die Westsahara-Widerstandsbewegung Polisario bekräftigt und diese mit einem neuen Guerillakrieg gedroht habe.

Zukunft der Westsahara

Während die in Algerien etablierte Exilregierung der Demokratischen Republik Sahara (DARS) dem vom ehemaligen US-Außenminister James Baker ausgearbeiteten UNO-Referendums-Plan zugestimmt hat, wird dieser von Marokko abgelehnt. Marokko hat große Anstrengungen unternommen, um die Westsahara durch massiven Bevölkerungstransfer an sich zu binden. Die Befreiungsorganisation "Frente Popular para la Liberacion de Saguia el Hamra y Rio de Oro" (Polisario) hatte 1976 die DARS ausgerufen, die von über achtzig Staaten anerkannt wird.

Baker-Plan: Referendum bis 2008

Der Baker-Plan sieht vor, die Westsahara-Bevölkerung bis 2008 in einem Referendum entscheiden zu lassen, ob sie die staatliche Unabhängigkeit will oder Autonomie innerhalb Marokkos. Die Regierung in Rabat vertritt den Standpunkt, der Baker-Plan sei "obsolet" und die Zugehörigkeit der Westsahara zu Marokko "nicht verhandelbar". Neben Phosphatvorkommen und reichen Fischgründen wird vor der Küste der Westsahara auch Erdöl vermutet. Die DARS-Regierung hatte die Vereinten Nationen aufgerufen, die Erschließung von Ölvorkommen vor der Küste zu stoppen. Dabei ging es vor allem um die zwischen Marokko und der französischen TotalFinaElf geschlossenen Bohrverträge. (APA/dpa/AFP)

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    Spuren eines langen Krieges: Eine nicht-explodierte Bombe in der Westsahara

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